06
Dez
08

Max Payne

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Ich mag die Melancholie der großen Stadt. Wenn übernatürlich große Schneeflocken scheinbar durch die Häuserschluchten schweben und nicht mal durch die riesigen, warmen Kondensausstoßungen zum Schmelzen gebracht werden können, die aus den Abzugsgittern in den Hintergassen bizarre Wolkenformen bilden. Und genau so mag ich es, wenn ein Vorhang schwerer Wassertropfen die Menschen von den Straßen scheucht und ein in jeder Form gereinigtes Monument der Menschheit zum Vorschein bringt. Der gebrochene Held ist für mich die einzige wahre Form des Protagonisten in Filmen und außerdem finde ich Videospiele ziemlich cool.

Deshalb lag es nahe, dass ich mir Max Payne anschaue, denn das ist ja immerhin eine Filmadaption eines Games, das eine Film Noir Story erzählt. Nämlich von einem Bullen, der den Mord an seiner Familie rächen will. Also ein depressiver, melancholischer Typ mit einer Knarre in einer großen Stadt und dem Wunsch mit dieser Knarre andere Typen zu erschießen. Klingt nach einem kurzweiligen Actionfilm. Und das ist Max Payne letztendlich auch; nicht mehr und nicht weniger.

Blöderweise habe ich die Vorlage nie gespielt, habe mich im Trailer dennoch über dieses geflügelte Wesen gewundert, das einen Typen aus dem Fenster zerrt. Was dieses Vieh in einem – wie ich gelesen habe – realistischen Szenario zu suchen hat, fragte ich mich und zweifelte auch schon an meinem Entschluss, mir den Film überhaupt anzusehen. Allerdings waren die Befürchtungen unnötig, die geflügelten, an Harpyien erinnernden Dinger, symbolisieren nur die Auswirkungen durch eine Droge namens Valkyre, die vom Militär entwickelt wurde, um Soldaten aufzuputschen und nahezu unsterblich zu machen. Natürlich hat das nicht funktioniert: Nur ein sehr geringer Prozentteil konnte von den gewollten Effekten profitieren. Für sie war die Imagination der Walküren ein Schutz und Ansporn. Der Rest leidet unter enormen Wahnvorstellungen und gehen an ihnen zugrunde. Natürlich ist klar, dass Max‘ Frau, die für das Pharmazieunternehmen arbeitete, hinter diese Auswirkungen gekommen ist und deshalb ermordet wurde. Von wem? Das können sich Action-Fans schon nach kurzer Zeit trotz falscher Fährte denken. Generell enttäuscht die Story durch mangelnde Innovation und die typischen Action-Klischees. Man hat wirklich alles schon mal irgendwie gesehen. Außerdem fallen große Auseinandersetzungen mit den wirklich Bösen aus, bei dem restlichen 08/15-Inhalt ebenfalls sehr enttäuschend. Aber nachvollziehbar ist diese Entscheidung dennoch, da der Film so sogar ein kleines bisschen „Aussage“ erhält. Die Bösen sind nur aus dem Hinterhalt stark, wenn sie unerkannt sind. Sobald sie entlarvt werden, werden sie von den eigenen Verbündeten fallen gelassen und sind den Guten schutzlos ausgeliefert.

Das – meiner Meinung nach – Schlimmste am Film ist das Ende, denn es ist klar, dass Max schlussendlich seine Familie rächen wird. Die Frage ist, wie die Situation dargestellt wird. Wird die Rache Max befriedigen? Offensichtliche Antwort für den Zuschauer: Nein! Weil Max‘ Familie durch den Tod des Mörders nicht wieder lebendig wird, also wird es ihn auch nicht glücklich machen. Aber der Film enthält sich eines solchen Einblicks. Max kniet am Ziel angekommen auf dem Dach eines Hochhauses, der Böse ist tot, der Gute wird von der Polizei umzingelt, Kamera zoomt vom Geschehen weg, Ende. Sehr, sehr unbefriedigend.

Aber man sollte nun mal beachten, dass es ein gewöhnlicher Actionfilm ist, der muss ja nicht so aussagekräftig sein wie ein A History of Violence. Und besonders visuell macht der Film einiges wirklich gut. Immerhin hat er mich auch daran erinnert, wie sehr ich die Melancholie der Großstadt mag. Lichtstimmung, Wettereffekte, Zeitlupensequenzen (immerhin ist die Vorlage gerade für seine Zeitlupenfunktion berühmt geworden) können allesamt überzeugen. Eindrucksvollste Szene: Max hat sich gerade zwei Dosen Valkyre reingepfiffen und aus dem emotionsarmen Rächer wird ein von Wut getriebenes Monster. Der Schnee verwandelt sich im lauten Schrei Max‘ in einen Funkenregen, im Hintergrund steigen Flammen auf, die Stadt brennt. Wirklich schön anzusehen.

Abschließend sei gesagt, dass ich mit sehr geringen Erwartungen den Film gesehen habe, denn Videospiel-Verfilmungen haben ja nicht den besten Ruf. Hinzu kommt, dass ich nicht viel von Mark Wahlberg halte, der in die Rolle von Max schlüpft, seine Gefühle aber sehr gut rüberbringt. Aber das ist ja auch nicht sonderlich schwer, emotionslos in die Gegend zu schauen und böse Leute zu erschießen. Aber eben wegen meiner Einstellung hat mich der Film nicht wirklich enttäuscht und als Actionfilm (besonders wegen seinem Look) auch gut unterhalten.


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