Wer wagt es schon den Legendenstatus von Elvis zu kritisieren? Elvis, den King of Rock‘n‘Roll. Kettcar wagt es. „Elvis has left the building“ wird im Song „Graceland“ gesungen und damit hat die Band Recht. Kettcar regt zum Nachdenken an. Ist es nicht vielleicht besser alte verklärte, idealisierte und ebenso veraltete Vorbilder abzuwerfen und sich nach Zeitgemäßeren umzusehen?
Wie auch schon in den vorangegangen Alben setzt Kettcar sehr auf intelligente Texte und prägnante Passagen, die geradezu darum betteln, bei jeder Gelegenheit zitiert zu werden. Als Beispiel sei „Lieber peinlich als authentisch. Authentisch war schon Hitler“ aus dem Song „Kein Außen mehr“ gegeben. Dieser Satz stammt allerdings nicht von der Band, sondern von dem Kulturwissenschaftler Diedrich Diedrichsen; nur so nebenbei.
Das große Problem an „Sylt“ ist, dass es schon fast zu eingängig ist und man sich außer einigen wenigen Liedern, wie das oben genannte „Graceland“, „Agnostik für Anfänger“ oder „Kein Außen mehr“, keines merken kann, weil es zum einen Ohr reingeht und zum anderen gleich wieder raus. Das kann man auf die Stimmlage des Sängers schieben, der immer in derselben Tonlage singt und den Texten so mit der Zeit immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Oder man macht die Musik dafür verantwortlich, die zwar ungewöhnlich ist, aber untergeht, weil sie zu abstrakt ist, kaum Melodien dabei sind, die sich richtig in der Erinnerung festkrallen könnten.
Deshalb eignet sich „Sylt“ eher für Leute, die gerne darüber nachdenken, was ihnen vorgesungen wird und natürlich für Kettcar-Fans, denn die kriegen sowieso das, was sie von den fünf Jungs erwarten. Dennoch eines der schwächeren Kettcar-Alben.
05
Okt
08

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