Archiv für September 2008

28
Sep
08

Gespielt: Star Wars The Force Unleashed

Achtung: Enthält möglichen Spoiler

Diese Musik! Erinnerungen werden wach. Zuletzt in diesem Sommer ertönten die wohlklingenden Töne von John Williams Kompositionen im Kinosaal. Da lief die Vorgeschichte zu den Klonkriegen. The Force Unleashed erzählt aber die Geschichte zwischen Episode 3 und 4, stellt also die Verbindung zu der alten Trilogie her. Wir spielen Darth Vaders geheimen Schüler, um die letzten verbliebenden Jedi zu vernichten.

Roaarr, roro?

Ja, eine seltsame Sprache sprechen die Wookies auf Kashyyk. Aber am Anfang des Spiels sind wir nicht mit Darth Vader persönlich auf dem Schlachtfeld erschienen, um eine neue Sprache zu erlernen. Den dunklen Sithlord scheinen die Geräusche wohl sehr zu nerven, denn auf dem Weg zu einem Jedikämpfer räumen wir alle Wookies aus dem Weg, die uns begegnen. Egal ob mit Lichtschwert, einem Machtstoß, oder des kultigen Würgegriffs, Hauptache, es wird still! Obwohl auf so einem Schlachtfeld nie wirklich Ruhe herrscht. Blastergeschosse, rauschende Gleiter, herumfliegende Tie-Fighter, Williams’ Musik und dieses nervige aber wohl bekannte Röcheln. Nur eines klingt ein wenig fehl am Platz. Die Stimme von Vader klingt doch irgendwie anders – aber dennoch nicht schlecht.

Ein Kind, sie zu knechten…

Nunja, soweit treibt es das Spiel nun doch nicht. Allerdings lässt es sich nicht totschweigen, dass Vader sein Lichtschwert an ein kleines Kind verliert. „Die Macht stark in ihm ist“, würde Yoda es ausdrücken. Wir sagen einfach: cool! Vader beschützt im Folgenden den Jungen vor den Lasern der schießwütigen imperialen Streitkräften und bildet das Kind zu einem Sith Lord aus. Dann kommen wir ins Spiel, in Gestalt von Starkiller, Vaders Zögling. Der soll nun zum ersten Mal sein Können beweisen. Vaders Spione haben einen Jedi entdeckt, den es zu vernichten gilt. General Kota, so heißt der entdeckte Feind, hat mit seiner kleinen Rebellenarmee ein imperiales Ruamschiff angegriffen und ist auf einen offenen Kampf gegen Vaders geheimen Schüler aus. Um auch vor dem Imperator geheim zu bleiben, sollen wir auf unserer Mission nicht nur die Rebellensöldner umbringen, sondern auch die imperialen Streikräfte.

Immer hungrig: Auf Felucia treffen wir öfters mal solch einen Rancor

Den knöpf ich mir vor!

Im Großen und Ganzen bekämpft Starkiller seine Feinde wie Darth Vader im ersten Level. Allerdings können wir nur auf ein abgespecktes Repertoire von Angriffen zurückgreifen. Doch mit der Zeit häuft sich die Anzahl der Kombos und Mächte, mit denen wir unseren Gegnern mächtig einheizen. Während wir schwächere Widersacher mit wenigen Schlenkern des Laserschwerts ausschalten, oder durch die Luft fliegen lassen, braucht es bei den großen Brocken einiges mehr an Aufwand. Gegen AT-STs, die zweibeinigen Stahlungetüme aus der alten Trilogie, oder hungrigen Rancors (s. Bild oben) helfen Machtangriffe aber durchaus mehr. Ob das nun Blitze oder Machtstöße sind, wählen wir je nach Gegner. Haben wir diese Kloppse genug geschwächt folgt eine Quick-Time-Action Einlage (mal wieder drücken wir angegebene Knöpfe…). Doch nicht nur optisch große Gegnern müssen wir so besiegen, sondern auch die mächtigen Jedis. Toll, drücken wir einmal den falschen Knopf, dürfen wir oft gleich ein weiteres Mal die QTA ausführen.

3 Freunde

Natürlich reisen wir nicht alleine durch die Galaxis, was trotz Lichtgeschwindigkeit sicher sehr langweilig wäre und wo bliebe dann eigentlich die Geschichte? Ja, da sollten die 2 Kameraden doch mal vorgestelllt werden. Zum Einen wäre da der Roboter Proxy. Als Trainingspartner für Starkiller programmiert, ist sein oberstes Ziel, uns zu vernichten. Denn, das sagt uns der sonst so liebenswerte Droide, wie jeder Trainingspartner sei auch er darauf getrimmt, bis zum Tode gegen uns zu kämpfen. Das ist dann ja auch ein sehr viel authentischerer Kampf. Außerdem ist Proxys Aufgabe, uns Nachrichten von unsererm Meister, Darth Vader mitzuteilen. Denn immer wieder zu dem Sith-Lord zu eilen, nachdem ein Auftrag ausgeführt wurde, wäre zu auffällig und der imperator soll ja nichts von uns wissen. Nummer zwei im Trio ist unsere Pilotin Juno. Die attraktive Blondine ist wider aller Witze recht helle, außerdem scheinen bei den Gesprächen noch mehr als nur „Boss-zu-Arbeiter-Töne“ mitzuklingen. Irgendwann kommt Juno natürlich auch dahinter, was wir in der Galaxis überhaupt treiben, wie sie reagiert, erfahren wir noch früh genug.

Schizophrener Droide: Proxy ist zwar unser Freund, doch darauf programmiert, uns zu vernichten…

Wenn’s vorei ist’s eine „Neue Hoffnung“?

Es ist ja eigentlich klar, wie das Spiel letztendlich ausgehen wird. Oder haben sie in der alten Trilogie je etwas von einem geheimen Schüler Vaders gehört, oder den Namen Starkiller? Dachte ich auch nicht.  Immerhin dürfen wir uns im Finale noch zwischen Gut und Böse entscheiden. Trotz des bevorstehenden Todes unserer Hauptfigur fesselt uns das Spiel biz zum Schluss. Denn eines kann LucasArts immer noch sehr gut, Geschichten erzählen. Apropos Geschichten erzählen, das macht das Spiel in zahlreichen gut vertonten Zwischensequenzen, in denen auch die Charaktere an Tiefe gewinnen. Grund genug das Spiel zu spielen. Außerdem treffen wir auf ein paar alte bekannte aus der alten Trilogie, wie zum Beispiel Prinzessin Leia. Ja sogar Darth Maul duelliert sich mit uns! Das alles schafft enorme Atmosphäre. Die original Musik tut ihr übriges. Wer immernoch nicht genug Star Wars Flair empfindet, wird spätestens bei den Geräuschen der Blastergeschosse ins Schmachten geraten. Allerdings ist der Genuss nach knapp 12 Stunden schon beendet, dafür bleibt das Spiel aber auch ohne große Durchhänger spannend.

Star Wars The Force Unleashed ist ein viel zu langer Name für ein so kurzes Spiel. Aber recht hat der Titel schon, so wie in diesem Spiel durfte der Spieler noch nie die Macht einsetzen. Fast jeden Gegenstand in der Welt kann als Waffe in Form eines Wurfgeschosses eingesetzt werden. Stahltüren verformen sich nach Machtstößen und Laserschwertschlägen. Glas zerschellt in ausend Teile, sogar Starkiller bleibt bei all den Schlachten nicht sauber. Auch seine Kleidung muss einiges mitmachen. Gut, ganz ohne Fehler ist das Spiel bei all seiner Pracht und Geschichte auch wieder nicht. Vergleiche ich das Spiel doch mal mit Devil May Cry 4. Ähnlich sind die Spiele allemal. Mit verschiendenen Kombos verdreschen wir unsere Feinde, in DMC 4 helfen uns da verschiedene Waffen und ein Dämonenarm, in TFU die Macht. Die Storys stehen sich in nichts nach, die Dialoge und Sprecher ebenso nicht. Was hebt aber das Star Wars Spiel von Konamis Monstergekloppe ab? Es ist einfach die Lizenz. Star Wars ist eben kult und die Welt ist grenzenlos. Mit TFU machen sie auf keinen Fall etwas falsch, außer sie sind sehr ungeduldig, denn einige Kämpfe sind bockschwer. Aber da helfen solche Momente wie die Szene, in der wir einen Sternenzerstörer aus dem Himmel auf den Boden der Tatsachen ziehen, drüber hinweg.

„Prächtig mächtig!“

24
Sep
08

Rausgekramt: Fahrenheit

Was würdest Du tun, wenn Du in einer sehr kalten Winternacht über einer Leiche sitzt? Es kommt noch härter. Wie würdest Du dich fühlen, wenn Du merkst, dass Du noch die Tatwaffe in der Hand hälst, von Blut überströmt bist, und allmählich realisierst: Du bist ein Mörder!

Warum gibt es keine Damentoilette?

Lucas Kane muss sich alle diese Fragen stellen. Denn er steckt zu Beginn des Action-Adventures Fahrenheit in eben dieser Situation. In der Herrentoilette eines New Yorkers Restaurant hat er einen ihm völlig fremden Mann ohne Grund erstochen. Warum sollte er das tun? Die Antwort auf diese Frage will er um jeden Preis herausfinden. Hinzu kommen Visionen, die ihn seit dem Mord verfolgen, denen er ebenfalls auf den Grund gehen möchte. Nur eines weiß er: Er muss verschwinden, bevor die Polizei alarmiert wird. Aber auch er hat keine Ahnung, wo die weiblichen Gäste  aufs Klo gehen können…

Mit ein, zwei Schlenkern ist die Lache bald Geschichte

Kalter Kaffee

Als erstes muss Lucas möglichst viele Spuren verwischen. Dabei greifen wir ihm unter die Arme, oder präziser wir greifen mit seinen Armen. Mit der Maus, oder einem Analogstick müssen wir nämlich die Aktionen von Lucas steuern, was anfangs sehr gewöhnungsbedürftig ist. Nach einigen Schlenkern mit der Maus hat Lucas dank unserer helfenden Hand die Leiche in eine Kabine gezogen, mit einem Mopp Blut vom Boden weggewischt, sich sauber gemacht und die Tatwaffe versteckt. Danach geht er noch einmal ruhig an seinen Tisch, bezahlt seine Rechnung und verlässt das Restaurant, um draußen in der U-Bahnstation den nächsten Zug nach Hause zu erwischen. Das ist auch bitter nötig, denn schon bald ist die Polizei alamiert. Carla Valenti und Tyler Miles führen die Ermittlungen. Nach einigen Untersuchungen finden sie Blutspuren, ein Buch, die Tatwaffe und werfen eine Menge fragen auf. Zum Beispiel, warum der Mörder einen Kaffee zusätztlich zu seiner Cola bestellt hat und der nicht auf der Rechnung steht. Doch das ist für einige Spieler ja schon kalter Kaffee…

Kanten und Ecken…

Die hat Fahrenheit zur Genüge. Schon beim Erscheinen war die Grafik veraltet. Doch die Animationen lassen uns da gerne drüber wegsehen. Nur die Steuerung, die ist verkorkst. Ein Adventure mit Pfeiltasten oder Gamepad zu steuern ist von Grund auf falsch! Andauernd laufen wir mit Lucas gegen Ecken, Kanten und Wände. Tja, nicht immer gehts mit dem Kopf durch die Wand. Das merken wir auch in den zahlreichen Zwischensequenzen in Spielgrafik. Die müssen wir nämlich am Laufen halten, indem wir bestimmte Tasten drücken. Das kann man als störend bezeichnen, weil man dadurch viele der Animationen nicht zur Kenntnis nehmen kann, oder klasse finden, weil wenigsten dabei ein spielerischer Aspekt auftaucht.

Carla und Tyler boxen gerne mal in der Pause, per Tastendruck halten wir den Kampf am Laufen

NYPD ermittelt

Hört sich an wie eine schlechte Sat1-Serie, ist im Spiel aber ein wichtiger Anteil der Geschichte. Denn immer wieder wechseln wir zwischen den drei Hauptfiguren hin und her. Zuerst scheint Lucas den Polizisten immer einen Schritt voraus, egal was für Fortschritte Carla und Tyler auch machen. Aber irgendwann kreuzen sich die Handlungsstränge natürlich. Das ist den Kombinationskünsten von Carla und Tyler zu verdanken. Die beiden ergänzen sich in allen Bereichen. Während Carla besonders auf Kleinigkeiten achtet, schaut Tyler auf die Dinge, wie sie sind. So schaffen sie es, Tathergänge zu erklären und zu rekonstruieren. Dabei lernen wir einige interessante Hintergrundgeschichten über die Ermittler kennen. Carla zum Beispiel, ist voll mit ihrem Job verbunden, was auf Kosten ihres Privatlebens als Single geht. Tyler hingegen muss sich des Öfteren in einem Disput gegen seine Freundin behaupten, die ganz und gar nicht mit seinem Beruf zufrieden ist. Sie wünscht sich ein ruhigeres Leben, ohne Angst um ihren Freund. Doch auch der etwas lockerere Partner von Carla versteht sich voll und ganz mit kriminalistischen Vorgehensweisen.

Spielfilm

Denn Fahrenheit ist genau das. Ein Spielfilm im wahrsten Sinne des Wortes. Keine Frage. Das Spielen an sich kommt zu kurz. Ein bisschen Laufen und ein paar Minigames durch simples Tastendrücken, das wars im Großen und Ganzen.   Typische Rätselelemente fehlen größtenteils. Zumindest sind die nicht sehr innovativ. Was ebenfalls an einen Film erinnert, ist die Aufmachung des Ganzen. Die Charaktere sind toll bis ins kleinste Detail herausgearbeitet. Man fühlt mit Lucas, Carla und Tyler in jeder Situation mit. Durch die spannende Geschichte werden wir ans Spiel gefesselt, wir wollen Antworten: Wie geht es weiter? Gibt es in dieser Welt auch Damentoiletten?

Fahrenheit ist ein Meilenstein der Videospielgeschichte? Ja und nein. Die Geschichte ist bisher einmalig . So etwas gab es bisher in noch keinem anderen Spiel. Jeder der drei Protagonisten hat noch einmal seine eigene Lebensgeschichte zu erzählen, die  mir wirklich gut gefallen haben. Das spielerische kommt bei all der Erzählerei ein wenig zu kurz, die Freiheit beim Interagieren in verschiedenen Situationen ist nur zu Beginn möglich. Aber hey, dafür sind die Dialoge und Sprecher erste Sahne (zumindest in der englischen Sprachversion). Über die deutsche Synchronisation muss nicht lannge geschrieben werden, die ist furchtbar. Die Quick-Time-Events haben mir ebenfalls gut gefallen, ansonsten wäre auch nicht mehr viel zu tun gewesen. Immer in Erinnerungen bleiben wird die Szene, in der Lucas’ Wohnung auseinandergenommen wird und er am Ende mit einem Arm noch von seinem Balkon hängt. Ob er dieser Situation entkommt, liegt an euch. Und wenn ihr ein Damenklo finden solltet, schreibt mir doch bitte.

21
Sep
08

Gespielt: The Bourne Conspiracy

Takedown! Das ist ein Ausruf, der perfekt zum „Bourne Komplott“ passt. Ob der mit diversen Schusswaffen ausgeführt wird, oder eben mit den von Gott geschaffenen eigenen Händen, ist mir völlig Wurst. Obwohl solch ein Nahkampf Takedown etwas mehr fürs Auge zu bieten hat. Was?! Worum geht’s? Tja, ich fang am besten nochmal von vorne an…

Bourne as Bourne

In „Das Bourne Komplott“ spielen wir den namensgebenden Helden, Jason Bourne, bekannt aus den Actionfilmen mit Matt Damon. Oh da werden wieder Stimmen laut, wieder eine Filmumsetzung(!), die allerdings zu unrecht empört klingen. Denn das Spiel bedient sich nicht in erster Linie an den Filmen, sondern an den Büchern, ja es gibt auch Bücher zu Bourne, des Autors Robert Ludlum. Fehlende Filmlizenzen lassen Bourne deshalb auch nicht wie Matt Damon aussehen, seine Freundin Marie nicht wie Franka Potente aussehen. Dafür brettern wir mit ihrem chicen Mini durch die Straßen Paris und prügeln uns wie Matt Damon durch Gegnerscharen, respektive schießen.

Bourne verwendet gegen seine Feinde schlagende Argumente

Bourne to kill!

Und in den Kämpfen kommen uns die oben genannten Takedowns weiter. Beispiel: Wir prügeln uns mit einem Gegner (selbst wenn wir von Feinden umringt sind, sind es immer Duelle), das geht sehr einfach, daher auch eintönig, mit zwei Tasten. Entweder wir kombinieren die beiden Schläge miteinander oder halten einen Knopf gedrückt, um einen stärkeren Schlag oder Tritt auszuführen. Durch Treffer lädt sich unsere Adrenalin-Leiste auf. Ab einem bestimmten Punkt können wir per Druck auf den B-Knopf einen Takedown aktivieren. Das bedeutet, wir lehnen uns für einen kurzen Augenblick zurück und schauen zu, wie Bourne den Gegnern Gliedmaßen bricht, an eine empfindliche Stelle tritt oder den Kopf gegen Wände, Stühle, Tische oder sonstige Gegenstände schlägt.

Bourne to shoot!

Im Fernkampf können wir ebenfalls die Adrenalin-Leiste durch Takedowns leeren. Dabei kommen die immer wieder auftauchenden Quick-Time-Events zum Einsatz. Seit Fahrenheit sind die ja sehr beliebt bei Spieledesignern. Allerdings fallen diese viel kürzer und einfacher aus als im Vorbild. Einen Knopf pro Schuss (maximal drei können auf einmal in einem Takedown untergebracht werden) müssen wir gerade mal betätigen. Aber auch ohne Takedowns kommen wir in Schießereien zurecht, selbst wenn die schwammige Steuerung uns sehr viel abverlangt. In Kisten findet sich reichlich Munition, Gegner hinterlassen ebenfalls einige Schießeisen. Solange wir Jason hinter einer Deckung verschanzen und hin und wieder für einige gezielte Schüsse daraus auftauchen, brauchen wir uns keine Sorgen zu machen. Nur selten versuchen die Feinde, sich einen Weg zu unseren Position zu suchen, oder uns einzukreisen. Dafür sind die Levelausmaße allerdings auch nicht ausgelegt.

Gleiches Problem wie der Spieler: Der Feind schießt hier überall hin, nur nicht auf sein Ziel

Bourne with instinct!

Jason Bourne wäre nicht Jason Bourne, wenn er nicht sehr sensible, ja übermenschliche Sinne hätte. Die aüßern sich im Spiel als willkommene Hilfe. Per Tastendruck aktivieren wir den Bourne-Instinkt. Dann werden auf der Mini-Map in der rechten unteren Ecke Feinde und Gegenstände in unserer Umgebung angezeigt. Außerdem zeigt ein grüner Punkt unser Ziel, wenn wir mal die Orientierung verloren haben sollten. Der Instinkt ist besonders in Schießereien von großem Nutzen. Nachdem wir Jason aus der Deckung hervorluken lassen, drücken wir auf die entsprechende Taste und er zielt automatisch auf einen Gegner. Besonders weil das Anviesieren etwas gewöhnungsbedürftig ist, lohnt sich der Einsatz des Instinkts enorm.

Bourne to tell!

Die Geschichte von Jason Bourne ist mittlerweile fast jedem bekannt, dennoch eine kurze Zusammenfassung. Bourne it ein Elite-Kämpfer der Regierung der USA. Für ein Geheimprojekt namens Treadstone wurden mehrere solcher Killer ausgebildet. Bourne war der beste. Doch sein letzter Auftrag, in dem er den afrikanischen Politiker Wombosi auf seiner Jacht eliminieren soll, verläuft nicht nach Plan. Weder tötet er sein Ziel, noch kommt er unversehrt vom Boot. Da setzt der erste Film der Trilogie ein. Das Spiel beginnt mit diesem Einsatz. Auch danach ist die Geschichte bekannt. Bourne will seine Erinnerungen zurückerlangen. Auf seiner Reise über Zürich nach Paris, wird er von Polizisten, Agenten und Profikillern verfolgt und trifft auf Marie. Mehr sei für diejenige, die noch nicht die Filme gesehen haben oder die Bücher gelesen haben, nicht gesagt. Das Spiel handelt entgegen des Titels nicht die gesamt Trilogie (das Komplott) ab, sondern nur die Handlung des ersten Buches. Die meisten Levels sind dabei schon aus den Filmen bekannt, doch einige Missionen erzählen in Rückblicken Bournes frühere Einsäzte, die in den Filmen nicht erwähnt werden. Die Story wird aber vorrangig durch die gut gemachten Zwischensequenzen erzählt. Manchmal müssen wir auch in diesen zum Gamepad packen, um eins um andere Mal einen Knopf für ein Quick-Time-Event zu drücken.


Das Bourne Komplott ist an sich keine Filmumsetzung, obwohl einige Parallelen zu „Die Bourne Identität“ bestehen (die Schauplätze sind sich sehr ähnlich), doch verstärkt es das Klischee, dass Filmumsetzungen in der Regel keine tollen Schaffungen sind. Die Grafik ist keine Wucht, doch trotzdem sehr ansehnlich. Einige Levels sind sehr abwechslungsreich gestaltet, doch durchgehend von Liniearität geprägt. Ab und zu überrascht eine Skript-Sequenz den Spieler. Ansonsten lockern nur die Bosskämpfe das langweilige Tastendrücken auf. Aber auch die werden von der Knappheit der Kombinationen überschattet. Das Schießen fällt durch das sehr ungenaue Zielen schwer und die Fahrt durch Paris hätte genauso gut weggelassen werden können. Hierbei ist die Steuerung anspruchlos (die Handbremse ist vollkommen ohne Nutzen), die KI bringt den Spieler auch nicht in die Bredouille. Außerdem ist das Spiel mit einer Spielzeit von etwa 7 Stunden sehr kurz geraten. Immerhin kann das Spiel auf eine tolle Vorlage zurückgreifen und bietet kurzweilige Action. Die Sprachausgabe muss ebenfalls gelobt werden. Unterm Strich bleibt aber nur ein mittelmäßiges Spiel stehen, das von der aus der Feder von Robert Ludlum stammende Geschichte lebt.

17
Sep
08

Futurama

Futurama. Das ist so etwas wie Simpsons in gut! Quatsch, The Simpsons sind natürlich auch gut. Futurama ist Simpsons in besser!

Zurück in die Zukunft

(Philip J.) Fry ist die ziemlich (un)symphatische Hauptfigur (ein bisschen wie Homer Simpson) der Serie, der im Jahr 1999 als Pizzabote in New York ein trostloses Leben fristet. Seine Freundin betrügt ihn, selbst kleine Kinder haben keinen Respekt vor Fry und auf den Pizzaschachteln, die er ausfährt, steht „Geben sie dem Boten kein Trinkgeld“. Er hasst sein Leben.
Doch zum Glück wird ihm ein Streich gespielt, weswegen er zu einem verlassenen, laborartigen Gebäude fährt. Dort stolpert er in eine Kapsel, die ihn für 1000 Jahre einfriert. Er erwacht an Sylvester 2999, in einer ihm vollkommen fremden Welt: New New York.
Das öffentliche Verkehrsnetz läuft über Luftschleusen, die einen durch die ganze Stadt blasen, es  gibt fliegende Autos, Selbstmordzellen und Roboter. Und vor einer Selbstmordzelle trifft Fry den Roboter Bender, der nicht nur Raucher, Alkoholiker und Kleptomane ist, sondern sich auch selbst umbringen will. Ja, äh… die beiden werden beste Freunde.
Dazu gesellt sich noch die einäugige Leela, die Fry eigentlich einen Berufchip einsetzen soll, der ihn für immer zu einem Botenjungen machen würde. Denn in der Zukunft gilt das Motto „You gotta do what you gotta do“, also „Du musst tun, was du tun musst“. Allerdings lässt sich Leela von der naiven und unschuldigen Art Frys vom Gegenteil überzeugen und pflanzt nicht nur ihm den gedachten Chip nicht ein, sondern entfernt auch ihren eigenen. Jetzt werden die drei jedoch von der Staatsgewalt verfolgt und flüchten zu Frys einzigem lebenden Nachfahren, Professor Hubert Farnsworth, einem alten, senilen, aber dennoch genialen Erfinder, der einen intergalaktischen Botendienst betreibt. Er macht die drei Flüchtigen zu seiner neuen Crew und Fry findet zu seiner wahren Berufung … er wird zum Botenjungen.

Die wichtigsten Figuren der Serie: Dr. Zoidberg, Professor Farnsworth, Leela, Fry und Bender (von links nach rechts)

Bis zur Unendlichkeit…

Futurama ist den Simpsons sehr ähnlich, nicht nur im Bezug auf den Zeichenstil. Die Episoden parodieren am laufenden Band Science-Fiction-Klischees (anders als bei den Simpsons) und bilden in sich abgeschlossene Geschichten, die sich auf eine Folge beschränken. So ist es nicht schlimm, wenn man eine Folge verpasst, weil man keinen roten Faden verlieren kann, aber allerdings geht so auch einiges an Motivation verloren (genau so wie bei den Simpons). Allerdings wirkt Futurama in seiner Geschwindigkeit sehr viel gemächlicher als die Simpsons und durch das Zukunftsszenario wird der Humor noch eine ganze Ecke skurriler. So werden beispielsweise außerirdische Mini-Alien-Mumien als Snacks verputzt, es werden unheimlich viele Anspielung auf die Gegenwart gemacht und die künstlich am Leben erhaltenen Köpfe von Berühmtheiten in Gläsern sind schon lange Kult. Noch mehr als in den Simpsons wird der Humor sehr durch die Bilder getragen, viele Witze sind zitiert nicht halb so lustig. Aber es gibt natürlich auch Ausnahmen:

Fry, of all my friends, your the first. (Bender)

You just have to give guys a chance. Sometimes you meet a guy and think he’s a pig, but then later on you realize he actually has a really good body. (Amy, Praktikantin bei Planet Express)

Dennoch funktioniert die Serie mit dem Aufhänger der SciFi-Parodie sehr gut. Außerdem handeln viele Folgen von einzelnen Missionen oder Lieferungen, die einen glaubhaften Rahmen bilden.

…und noch viel weiter

Ich mag Futurama. Es gefällt mir mit den abgedrehten Ideen und dem ScienceFiction-Szenario sehr viel besser als The Simpsons. Eigentlich mag ich keine SciFi, und dass dieses ganze Genre in dieser Serie unablässig durch den Kakao gezogen wird, gefällt mir sehr gut. Dabei hat die Serie immer genug Respekt vor den Vorbildern, dass sie es sich nicht mit den Fans der Weltraumfreunden verscherzt.
Und anders als andere Serien kann ich mir Futurama auch mehrmals hintereinander angucken, weil es einfach kurzweilig ist und nicht durch eine durchgehnde Geschichte geprägt ist. Jede Folge ein kleines Meisterwerk für sich. Wenn der außerirdische Arzt Dr. Zoidberg, der (als Arzt von Planet Express) von menschlicher Anatomie nicht die geringste Ahnung hat, auftritt, manchmal auch ein großes.

14
Sep
08

Gespielt: Drakensang oder Das Tagebuch eines Helden

Liebes Tagebuch,

Gerade angekommen in der neuen Rollenspielwelt Aventurien, liefere ich mir den ersten Kampf meines noch so jungen Lebens als Abenteurer und Held. Zuerst schlage ich mit einer rechts-links-Kobination auf meinen Widersacher ein, doch verfehle ihn tatsächlich beide Male. Auf ins Inventar! Da lege ich mal den Dolch an, den ich kurz darauf geschickt durch die Luft schwinge. Und tatsächlich, ich habe meinen Feind besiegt. Ich ohne Kratzer, er in hundert Stücke zerfetzt.

Das bin ich, liebes Tagebuch.

Keine Panik!

Falls mein Tagebuch jemals veröffentlicht werden sollte, muss ich auf ausführliche Beschreibungen achten. Deshalb erwähne ich das Wichtigste jetzt. In Drakensang wurde kein Fass fassunwürdig behandelt oder ernsthaft verletzt. Zumindest verneinte es meine Ansichten nicht. Ja, mein erster Feind war ein Fass. Eigentlich passt es nicht zu einem Helden, einen Wehrlosen anzugreifen, doch blieb mir eine Wahl? Außerdem bin ich mit der Ausbeute unzufrieden. Einige Fussel, einen lächerlichen Heller und null Erfahrungspunkte!?! Du kannst dir vorstellen, wie wütend ich danach war. Aus Frust habe ich dann alle Fässer, die mir später in meiner Laufbahn begegneten, den Gar ausgemacht. Doch das reichte nicht aus, meine Aggression abflauen zu lassen. Da kamen mir die Wolfsratten doch gerade recht, die sich in ganz Aventurien zu hauf ausgebreitet haben. Die haben ihren Namen wohl wegen ihrer wolfsähnlichen Größe erhalten. Erschrecken konnte sie mich trotzalledem nicht – außer es waren zu viele.

Das hier sind die nervigen, kleinen Brüder der Wölfe … glaub’ ich zumindest

Langsam. . .

Mein Gott, was ich durch machen musste! Bevor ich mich knapp 15 Stunden vorwiegend mit Ratten und Fässern gekloppt habe, muss ich erstmal sogenannte Quests lösen. Aus irgendeinem unerfindlichen Grund hat mich ein gewisser  Ardo eingeladen, nach Ferdok zu seinem Anwesen zu kommen. Anscheinend kenne ich den Kerl aus früheren Tagen, an die ich mich nur sehr schlecht erinnern kann. Denn ich musste ganz schöne Strapazen auf mich nehmen, um nach Ferdok zu gelangen. Ich fand mich in einem kleinen Kaff namens Avestreu wieder. Unwahrscheinlich viele Menschen haben da Probleme, Ratten und Fässer gehören da nur geringfügig dazu.

Mal dies, mal das

Ja, liebes Tagebuch, ich habe viel erlebt. Zwei Bauern, die sich um einen Apfelbaum streiten, konnten sich dank meiner Überredungskünste einigen (am liebsten hätte ich denen kräftig die Fresse poliert, aber als possierliche Taschendiebin wollte ich nicht zuviel riskieren). Für einen Holzfäller erledige ich einen aggressiven Bär, der sich wahrscheinlich nur zu Tode gelangweilt hat, weil er alleine war… Jedenfalls war er nach meinem Besuch eben das – tot. Derselbe Holzfäller hat mich damit beauftragt einen Wolf zu töten, stattdessen habe ich 20 oder mehr umgelegt… Ich habe sogar einen echten, wenn auch vertrottelnden Magier getroffen. Der hat mir sogar geholfen, nachdem ich ihn vor Banditen gerettet habe. Ich brauchte nämlich zwei Fürsprecher aus Avestreu, um nach Ferdok durchzukommen. Einer davon war der Magier. Der andere war eine die. Was ein Glück, dass gerade zwei Leute für mich Aufgaben hatten und anschließend für mich bürgten, ob das wohl jedem so geht? Die Fürsprecherin heißt übrigens Salina, eine Gauklerin, sogar deren Königin, wie mir gesagt wird. Die hat ein schwerwiegendes Problem. Ihr Nichsnutz von einem Freund hat sie bestohlen. Weil ich scharf auf das Weiterkommen war, habe ich der schönen Frau natürlich geholfen.

Und das sind die großen Brüder der Wolfsratten (oder so) in meinem Lieblingszustand… tot.

Schmuck und Diebe

Ja, wo was Wertvolles ist, gibt es immer jemanden, der das gute Stück stiehlt. Gesagt habe ich ihr das nicht, auch die Predigt über schlechtauswirkende Kontakte mit zwielichtigen Personen habe ich runtergeschluckt. Stattdessen dachte ich nach, wo ich den Dieb Dranor finden könnte. Also habe ich auf die Karte geguckt. Wer hat denn da ein blaues Fragezeichen eingezeichnet? Dadran steht Dranor. Egal wer das geschrieben hat, ist mir dann doch egal gewesen. Ich laufe also zu dem gekennzeichneten Ort und tatsächlich, da sehe ich diesen Schmuckentwender. Er redet mit einer seltsam aussehenden Person in einer Kutte. Der hat seinen Kopf wohl mal zu nah an ein Feuer gehalten, denke ich über das von schwarzen Blasen übersähte Gesicht. Doch der Typ verschwindet, noch bevor ich ihn fragen kann. Und Dranor wird von den Handlangern des Verschwundenen angegriffen. Wir helfen dem Taugenichts. Du wirst dich jetzt fragen, wer wir sind. Nun, da wäre ich und die Amazonenkämpferin Rhulanda. Die haut feste drauf, dass durfte ich mit eigenen Augen sehen.

„Alea iacta est“

Ich habe das Gefühl, dass mich dieses Zitat von Cäsar auf meiner Reise ständig verfolgt. Irgendwie scheinen meine Kämpfe rein zufällig  zu verlaufen. Halte mich für paranoid, aber ich hatte in jedem meiner zahlreichen Kämpfe das komische Gefühl, dass jemand mit einem Würfel die Auseinandersetzung entscheidet. Ja, das klingt absurd, aber warum sollte das Leben denn nicht nach dem „Mensch ärger dich nicht“-Prinzip ablaufen? Eben nur, dass ich mich oft im Leben als Held ärgern musste. Andauernd stehe ich einer Übermacht gegenüber. Wenn das nur Ratten oder dämliche Banditen sind, komme ich gut damit zurecht. Doch acht Orks, ein Oger und sicherlich illegal trainierte, vielleicht sogar gedopte, auf den Kampf spezialisierte Hunde sind eindeutig zu viel auf einmal. Auch mein Zwergenbegleiter Forgrimm, der Söldner Nasredin und die Elfenzauberin Gwendala können mir nicht zum Sieg verhelfen (ich musste die Namen doch tatsächlich in meinen Unterlagen nachschlagen, wie peinlich…)

Laaangweiliges Heldenepos

Ich hätte nicht gedacht, dass ein Leben als Held und Retter so langweilig sein würde. In Aventurien ist nichts passiert, was mich in den Bann hätte ziehen können. Doch weil ich stärker und berühmter werden wollte, ging ich freilich weiter. Die Mordfälle in Ferdok aufzuklären hat mir viel Spaß gemacht, denn das brachte Kohle (nicht im wörtlichen Sinne), Ansehen und neue Gefährten. Die Tatsache, dass mein Freund und früherer Mentor Ardo ebenfalls zu den Mordopfern zählt, habe ich schnell vergessen. Denn der hiesige Baron hat mir sein Haus überlassen. Das ist riesengroß und bietet viel Platz für meine Gefährten, die mal eine Pause brauchen. Danach haben mich noch Priester der heiligen Hesinde (das ist entweder eine Göttin oder ein Drache – oder beides) um Hilfe gebeten. Klar habe ich die Aufgabe angenommen. Wieder winkten Geld und Ruhm mir zu. Also erledigte ich die Aufgaben der Drachenqueste, ohne genau zu wissen, was das überhaupt war…

Sehen langweiliger aus als sie sind – die Sümpfe

Liebes Tagebuch,

gestern habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Drachen gesehen. Ich hoffe, dass ich den nächsten auf den Boden der Tatsachen bringen kann, den ich sehe. Ein Kampf gegen einen Drachen, wäre eine tolle Herausforderung und nach dessen Ermordung ernte ich wahrscheinlich wieder Ruhm und Ehre. Doch erstmal muss ich mich noch durch die großen Lande von Aventurien kämpfen. Dazu gehören einige Orks, wilde Tier, Ratten und natürlich auch robuste Fässer und Kisten. Eins ist klar, letztere werde ich wie zu Beginn meiner Abenteuer zerschmettern. Beim Rest entscheiden wohl die Würfel des alten Julius Cäsar…

12
Sep
08

FZM 002

Am Ende dieses Posts steht ein Link, der Euch zum Download des neuen Freizeitfresser Magazins führt. Auch Ulf hat einen Artikel verfasst, der das Heft schließlich fertiggestellt hat. Wer das erste Magazin noch nicht kennt, sich aber dafür interessiert, soll sich melden, dann wird das ebenfalls in diesem Post nachträglich zum Download freigegeben. Jetzt ersteinmal wünsche ich allen Lesern viel Spaß und hoffe wie immer auf Kommentare, entweder hier auf dem Blog, oder per Mail, eine Adresse wird im Magazin angegeben.

Themen der Ausgabe sind unter anderem Devil May Cry 4, Veronica Mars Season 2 und das Buch Superhero.

FZM 002 Download

12
Sep
08

Gelesen: Der Dämon und Fräulein Prym

Die kleine Stadt Güllen ist dem Untergang geweiht! Doch da erscheint ein Wohltäter, der die Stadt mit einer gewaltigen Finanzspritze retten könnte. Was es die Stadt kosten würde? Ein Menschenleben.

Moment, habe ich da tatsächlich „Güllen“ geschrieben. Der Handlungsort des berühmten Dramas Der Besuch der alten Dame, das vor 52 Jahren von Friedrich Dürrenmatt geschrieben wurde? Ja, das stimmt wohl, aber im Grunde ist Der Dämon und Fräulein Prym nichts anderes als eine Kopie des bekannten Konflikts: Wie viel ist ein Menschenleben wert?

Über den möglichen Vorwurf des Plagiarismus war sich Coehlo aber wohl bewusst. Der namenlose Wohltäter lässt sowas durchblicken:

„Ich bin nach Bescos gekommen, weil ich einen Plan habe. Vor langer Zeit hab ich ein Theaterstück eines Autors namens Dürrenmatt gesehen, den Sie gewiss kennen…“

Bescos, das ist der Handlungsort dieses Besuchs; ein Ort in den Pyrenäen, der nicht mehr lange bestehen wird, denn die Jugend flüchtet förmlich vom Land und sucht in den Städten des Landes ihr Glück. Die einzige junge Person ist Chantal Prym, die sich in dem örtlichen Hotel als Kellnerin verdingt und von einem Reisenden mit 11 Goldbarren in der Tasche als Sprechrohr zur Bevölkerung genutzt. Sein Angebot: Er wird den Bewohnern Bescos das Gold geben, wenn bis zu seiner Abreise irgendein Mensch des Dorfes ermordet wird. Ihm ist völlig egal welcher, ob jung, alt, behindert oder sterbenskrank. Hauptsache es gibt eine Leiche. Er will sich jedoch nicht – wie Claire Zachanassian – Gerechtigkeit kaufen, sondern sein Weltbild bestätigt sehen.
Das ist maßgeblich durch den Mord an seiner Familie beeinflusst worden. Frau und Tochter wurden von Terroristen entführt und noch vor der Befreiungsaktion der Polizei hingerichtet. Entführt wurde gerade die Familie des Fremden, weil er ein Waffenhersteller war und  Terroristen mögen ja bekanntlich Waffen. Seitdem trägt er den namensgebenden Dämon in sich. Das klingt jetzt wirklich wilder als es ist, denn der Dämon symbolisiert nichts anderes als das Böse im Menschen. Das wird im Verlauf des Romans nicht nur bei dem Fremden auftreten.

Der Dämon und Fräulein Prym setzt einen Stoff in die aktuelle Zeit, der es eigentlich gar nicht nötig hat. Der Besuch der alten Dame wirkt auch heute noch alles andere als unmodern. Ich hatte bei einer Aufführung des Stücks im letzten Jahr zu keinem Zeitpunkt, das Gefühl, dass das Theaterstück schon eines halbes Jahrhundert alt ist. Aber Coelho belässt es nicht in einer Übertragung, sondern ändert es an interessanten Stellen. Denn den Dorfbewohnern fehlt jegliche rationale Rechtfertigung für einen Mord (ok, es gibt eigentlich keine rationale Rechtfertigung für einen Mord), weil das Opfer kein Ill ist, der früher ein armes Mädchen schwängerte und dies leugnete, sondern ein absolut Unschuldiger. Dadurch erhält Der Dämon eine eigene Faszination, die mit dem großen Vorbild mithalten kann und sich von ihr absetzt. Ein interessanter Roman über die Entscheidung zwischen Gut und Böse, der schon vor 50 Jahren interessant war und es auch noch in 500 sein wird.

Der Dämon und Fräulein Prym (O Demônio e a Srta. Prym); Paulo Coelho; Diogenes, 8,90 €




Tut eine gute Tat

Kategorien

 

September 2008
M D M D F S S
« Aug   Okt »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728
2930