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Feb
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Aufreger: Klicksafe-Kampagne

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Das Mädchen küsst den Jungen. Sie ist attraktiv, er hat zumindest einen tollen Hinterkopf. Der Junge kippt um, Kopf knallt auf Tischplatte, er ist wohl tot. Ein netter Herr singt so was in diese Richtung. Die Frage, die man sich stellen wird, ist wohl „Warum?“. Hat sie etwa so schlechten Atem? Braucht sie ein TicTac? Abwarten, der Spot geht noch weiter.

Wir sehen den – an sich ganz normal aussehenden – Jungen mehrere Male sterben bzw. schon tot. Bei den Freunden, während dem Schwimmunterricht, ins Netz eines Fußballtores verfangen, im Auto und beim Essen mit der Familie. Hat dieser Junge eine seltene Krankheit, vor der dieser Spot warnen will?

Nun ja, so würde es die Gesellschaft wohl sagen, denn in der letzten Szene sehen wir, wie der Junge mit dem Kopf auf der Tastatur vor einem PC (einem übrigens besonders klobigen und hässlichen Exemplar) sitzt. Der Computer startet und plötzlich erwacht der Junge zum Leben. Wie eine Roboter hebt er zuerst den Kopf, dann die linke Hand in unnatürlich abgehackten Bewegungen. Eine ganz besonders charismatische Stimme sagt den Satz „Wer nur noch in der digitalen Welt lebt, lebt nicht mehr in der Richtigen.“ Soundfetzen ertönen. Es klingt nach Explosionen und Schüssen. Sein Mund verzieht sich zu einem verrücktem Lächeln. Klar, der Junge ist ein Gamer und er spielt selbstverständlich Killerspiele.

Letztendlich sagt die Off-Stimme noch „In welcher Welt lebst du?“.

Did you ever die?

Untermalt wird das alles durch eine ruhige und eindringliche Musik, in der der Sänger pausenlos vom Sterben singt. Umso überraschender, dass dieser Spot für Aufklärung werben soll. Wahrscheinlich bewirkt er in der Gesellschaft das genaue Gegenteil. Vorurteile werden bestärkt und verfestigen sich noch weiter in den Köpfen der Menschen, die sich nicht mit dem Medium Computerspiele auskennen. Denn das Wort Spielesucht wird nicht einmal explizit erwähnt, einziger Anhaltspunkt ist das „Wer nur noch in der digitalen Welt lebt“. Die Folge ist, dass der Zuschauer nicht weiß, dass sich dieses Szenario nicht auf diese Minderheit in der Gamerschaft zurückführen, sondern auf alle.
Klar, der Spot, der übrigens den Titel „Wo lebst du“ trägt, ist vollkommen übertrieben. Das schreibt klicksafe.de auch in seinem Internetauftritt. Aber vielleicht ist er zu sehr übertrieben, nicht erklärend genug und verwirrend.

Did you ever ever die? (oder die Wirkung auf die Gesellschaft)

Der Junge wirkt völlig normal. Ohne Computerspiele wäre er wohl einer der Beliebtesten der Schule, nur sein ständiges Ableben kommt ihm in die Quere. Die Menschen in seiner Umgebung scheinen dieses merkwürdige Phänomen gar nicht zu bemerken. Als sein Kopf bei der Mahlzeit in den Teller fällt, hat seine Mutter nichts anderes zu tun, als ihre Bluse sauber zu machen, auf die anscheinend Essen gespritzt ist. Als er im Schwimmbad mit dem Kopf nach unten treibt, versucht keiner ihn zu retten. Nein, die Mitschüler schwimmen noch an ihm vorbei. Auch das attraktive Mädchen ergreift keine Maßnahmen, schaut nur blöd aus der Wäsche.
Es gibt zwei mögliche Erklärungen: Niemand weiß um die wahre Bedrohung der Spielesucht und kann demnach nichts damit anfangen oder diese Sucht führt zu einer kompletten Ausgrenzung in der Gesellschaft. Dabei ist es wieder wichtig, dass nicht klar gestellt wird, dass der Junge süchtig ist, was im Kopf des unwissenden Zuschauers die Gedanken lostritt: Niemand weiß um die wahre Bedrohung der Computerspiele oder diese Computerspiele führen zu einer kompletten Ausgrenzung in der Gesellschaft. Das wird durch die Begeisterung des Jungen beim Spielen des Shooters nur noch verstärkt. Und diese soziale Ausgrenzung will man wohl hoffentlich nicht erreichen, wenn es um Aufklärung geht.

Did you ever die before? (oder die Wirkung auf die Gamer)

Aber das Schlimmste am ganzen Spot ist der Satz „In welcher Welt lebst du?“. Denn durch diesen Satz wird automatisch ausgeschlossen, dass man in beiden Welten leben kann. Der Spot stellt uns vor die Wahl, wir müssen uns für eine der Antwortmöglichkeiten entscheiden. Das Argument, dass man das Computerspielen nicht als eigene „Welt“ bezeichnen kann, wird durch den zuvor gesagten Satz „Wer nur noch in der digitalen Welt lebt, lebt nicht mehr in der Richtigen“ aufgehoben. Diese Aufforderung zu einer Entscheidung dürfte Gamer, die sich als „integrierte Mitglieder der Gesellschaft“ sehen, wütend machen. So geht es zumindest mir. Genau so wie die Darstellung des Gamers als Typ, den Gewalt gerade zu belustigt.

Das war alles höchstwahrscheinlich nicht gewollt und auch eine mögliche Verteufelung der Gamerschaft nicht, aber man kann sich auch über Unüberlegtheit und Unsauberkeit aufregen.
Manchmal sollte man es auch.


12 Antworten zu „Aufreger: Klicksafe-Kampagne“


  1. Montag, 3 März 2008 um 20:26

    Oh, das Bild sieht aus, als wäre dein Monitor angesprungen und du wärest aus der Erstarrung erwacht und du würdest jetzt wieder in deiner Computerwelt leben :->

  2. 2 Ulf
    Dienstag, 4 März 2008 um 22:15

    Solche Kommentare verbitte ich mir ;-)

  3. Freitag, 7 März 2008 um 12:46

    Um mich selbst zu zitieren (habe mir sagen lassen, das sei höchst arrogant, was es natürlich noch schöner macht) „Oh mein Gott, der Mann hat recht!“

    Dieses widerliche Video ist ein weiterer Angriff auf die Computerspielekultur, erstellt von Leuten, die nicht in der Lage sind zwischen Realtität und Fiktion zu unterscheiden. Die Tatsache, dass dieses abstoßende Machwerk im Fernsehen gezeigt wird stellt darüberhinaus implizit die Überlegenheit dieses Mediums gegenüber dem Computer dar – ist also die Welt des Fernsehens besser, als die der Computerspiele und des Internets?

    Soziale Vereinsamung, Abstumpfung etc. durch Computerspiele sind Interpretationen dessen, was Uneingeweihte beim Blick über die Schulter eines Spielers sehen, dabei sind mir bekannte Personen, die nicht Zocken nur promiskuitive Hip Hopper, Frauen oder sehr gewaltbereite Serben (ich will hier keine Gruppe stigmatisieren sondern gehe lediglich von meinen Beobachtungen, insbesondere in der Oberstufe aus).

    Ich verstehe dieses Bestreben, „Leute vom Rechner wegzulocken“ einfach nicht, es käme ja auch niemand auf die Idee Dinge zu sagen wie „leg den Kafka weg, das ist eh nur grotesker Mist“ obgleich vor wenig mehr als hundert Jahren auch Stimmen aufkamen, die dem Lesen eine gefährliche Wirkung zugeschrieben haben. Ähnliches auch beim Onanieren, bei Rockmusik und Swing, beim Fernsehen, beim Protestantismus, bei der Desinfektion in Krankenhäusern, und so weiter und so weiter.

    Möglicherweise kann man den armen Narren, die solcherlei Werbung erstellen auch mit einem Hinweis auf die Angst vor dem Fortschritt und vor gesellschaftlicher Veränderung diese Tat nachsehen. Man sollte allerdings genauso aufpassen, dass diese Leute nie genug Macht bekommen um wirklich etwas zu verändern.

    Möge die Macht mit euch sein.
    Florian Enders

  4. Sonntag, 9 März 2008 um 19:05

    get a life. alle miteinander.

  5. Freitag, 14 März 2008 um 18:00

    Tzzz.. Einfalt! Definierst du deine Lebensart als die einzig Wahre?

  6. 6 Ulf
    Freitag, 14 März 2008 um 18:37

    @Florian: Es ist immer schön, Gleichgesinnte zu finden.
    @Martin: Kann mich da nur dem zweiten Kommentar von Florian anschließen.

  7. Dienstag, 6 Mai 2008 um 23:02

    Ich glaube nicht, dass man diesen Werbespot so abtun kann, als dass die Menschen, die ihn erstellten, nichts von „unserer Game-Subkultur“ verstünden.

    Ich glaube, die „Medienmacher“, Moralapostel und Verteidiger der alten Werte haben gelernt uns nicht mehr von vornherein zu verurteilen: „Nicht jeder Killerspiel-Spieler wird Amok laufen!“ das wissen denke ich nun alle.
    Und wir sollten nun auch nicht die Gesellschaft verurteilen. Sie wollen uns nicht ärgern mit dem Spot, sondern etwas erreichen. Aufmerksam machen. Und zwar an einer sinnvollen Stelle.

    „Wer nur noch in der digitalen Welt lebt, lebt nicht mehr in der richtigen. In welcher Welt lebst Du?“
    Als ich die Werbung sah, fand ich das gut. Fühlte, dass da jemand ist, der weiß wie es mir geht. Der weiß, dass ich mich selbst ausgrenze und wozu das führt.
    Es gibt durchaus Fälle, wo sowas zutrifft, wie bei mir. Es geht um die, die „nur noch in der digitalen Welt [leben]„, nicht die, die ab und zu, zu einem Shooter greifen!
    Ich bin überzeugt davon, dass das eine ernsthafte Gefahr ist. Ich bin selbst betroffen, ich bin mir auch ganz sicher, dass es noch mehr Betroffene gibt. Finde das ziemlich traurig. Auch das solche „Verteidigungen“ aufgrund verletztem Stolz die Kampagne von Klicksafe in ein schlechtes Licht rücken. Ich meine, ich bin mir jetzt noch nicht sicher, ob ich den Abspprung aus der digitalen in die richtige Welt hinkriege – seit meiner Kindheit spiele ich und surfe ich. Mein Pc ist dauer on. Habe das Gefühl ansonsten etwas verpassen zu können. Dann kommt aber wieder Neid auf gegnüber die, die im Leben offline Spaß haben und auf Parties gehen. Denke dann drüber nach „warum ich nicht?“. Und wenn ich darüber nachdenke wünsche ich mir, meine Eltern hätten mir niemals einen PC gekauft oder hätten mehr darauf geachtet, dass ich im wirklichen Leben lebe und mit Freunden zusammen bin und Spaß habe.

    Ich bin für die Kampagne! Ich spiele gerne am PC, World of Warcraft, WC3tft, UT, Warsow, Bioshock sind einige Titel die ich kürzlich spielte. In meiner Vergangenheit waren da noch viele, viele andere.
    Bin jetzt achtzehn, fast neunzehn. Ich will mein Leben nicht mehr verpassen. Und ich werde jedem nur raten können, die echte Welt immer vorzuziehen. Nicht vor Problemen wegzulaufen, alles anzugehen. Die digitale Welt lenkt zwar ab, für Stunden, Tage, Wochen… aber es führt nicht zur Glückseligkeit: währenddem man sich damit ablenkt spürt man oft schon das Elend, zudem kann (Sonnen-)Lichtmangel neben anderen Auslösern ein Faktor zur Ausbildung einer Depression sein. Wenn man depressiv wird kommt es zu einem Teufelskreis: Man will kaum noch raus, man verkriecht sich, lenkt sich bis zur großen Müdigkeit ab. Man hat einen verkorksten Schlafrhythmus. Ist in der Schule deshalb unkonzentriert, nicht optimal leistungsfähig, wird schlechter in der Schule (unnötigerweise!).

    Daher ist das für mich wahr. Ja, man lebt in einer anderen Welt dann. Bestimmt nicht jeder, der gerne spielt. Aber wem das so passiert, der leidet darunter. Wie ich.
    Wer nicht darunter leidet, kann zufrieden sein. Fänd es schöner, wenn die Gamer, die glücklich sind Klicksafe unterstützen, anstatt es zu kritisieren! Stellt euch doch auf Klicksafes Seite. Helft den Zockern, die depressiv sind, die nicht damit klar kommen. Die sich beklagen, dass sie ausgegrenzt sind (sich im Prinzip aber selbst ausgrenzen) Helf ihnen ihren Weg zu finden. Macht ihnen Mut, sich ihrer Probleme anzunehmen und nicht wegzugehen. Helft, statt angepisst zu sein. Zeigt, dass auch ihr ein Gefühl der Verantwortung spürt, wie Klicksafe es vormacht.

    Vielleicht könnt ihr ja meinen Standpunkt nachvollziehen.

    Beste Grüße
    Ralf

  8. Montag, 19 Mai 2008 um 21:50

    Das magst du ja so sehen und das ist auch dein gutes Recht, dennoch sollte selbst von deinem Standpunkt aus die Umsetzung des Klicksafe Spots zu kritisieren sein: Es wird keine Lösung geboten sondern nur verurteilt und dann fühlt man sich offenbar noch genötigt einen naiven Seitenhieb gegen die Spieler zu führen.

    Würde man eine von diesen „über eine Million Menschen in Deutschland können nicht richtig lesen und schreiben“ Werbespots im Stil von Klicksafe drehen, so würde sie nicht mit „Da müssen wir was machen“ oder „Das schaffst du schon“ sondern mit „Tja, das hättest du dir früher überlegen sollen!“, „Dann wirst du wohl untergehen.“ oder „Hat dein Leben überhaupt noch einen Sinn?“ enden.

  9. Donnerstag, 29 Mai 2008 um 23:51

    Ich empfind es gar nich so als verhöhnen. Oder als Schlag. Ich denk halt, die die ees betrifft, die es sehen klicken halt die Seite an, die ja extra gesagt wird. Weil Leute die echt betroffen sind davon, haben ja auch einen Leidensdruck, der sie dazu bringt was ändern zu wollen. Ne Webseite liegt dann ja nahe. Nun haben sie eine Anlaufstelle, an der sie sich Informationen zu ihrem Problem suchen können und Hilfe anfordern, bei einer der verlinkten Seiten.
    Ich find halt, dass der Spot bestimmt sehr gut den Leidensdruck darstellt, bei Menschen auf die es zutrifft. Die spüren das selbst, und müsen ja dann auch wissen, dass sie angesprochen sind.

    Und die , die nicht betroffen sind, sind entweder für oder gegen Spieler. Da würd es auch nichts ändern wenn der Spot anders wäre, oder?

    Also ich find es ist nicht nur schlecht, was die da produziert haben! Es hilft sicher vielen und macht so oder so auf das Problem aufmerksam, was ja wichtig ist! Das ist es ja auf jeden Fall. Man kann durch PC-Sucht ziemlich abrutschen und so…

    Negativ ist vielleicht, dass nicht ausgedrückt wird, dass es auch Spieler gibt, bei denen nicht der Fall ist, dass sie leiden. Wobei es halt um die anderen geht. Bei denen es eben der Fall ist. Klar, wenn mir einer sagen würd, he du Vollpfosten, du zockst zu viel und stirbst dabei, ohne Hilfe anzubieten, fänd ichs auch doof. Aber es ist halt die inet-Adresse dabei, die auch so gezeigt wird, dass klar ist, dass es auf der Webseite weitergeht.

  10. Sonntag, 15 Juni 2008 um 10:41

    hast du dir die Seite mal angeguckt?

  11. Sonntag, 14 September 2008 um 16:54

    Kann mir mal einer sagen wo ich das Lied vom Werbespot herkrieg? das is irgendwie hängen geblieben ^^

  12. Sonntag, 14 September 2008 um 17:12

    Also nach dem, was hier (das „hier“ ist ein Link :D ) steht stammt die Musik von Christian Schneider. Den Song kann man sich da auch kostenlos downloaden.


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