11
Aug
09

Angespielt: Batman Arkham Asylum

b_a_a_00In The Dark Knight gab Heath Ledger bereits den Joker, den vielleicht größten Widersacher des schwarzen Rächers Batman. Ab dem 28. August beziehungsweise auf dem PC erst ab dem 18.September untermauert der Oberbösewicht seine Position, indem er Batman alias Bruce Wayne in eine hinterhältige Falle lockt, der Ihr mit dem Helden entkommen sollt.

Batman – der Asylant

Der Joker hat sich federleicht von Batman verhaften lassen und wird schnurstracks ins Gefängnis der Fantasie-Millionen-Metropole Gotham City gebracht, ins titelgebene Arkham Asylum. Dort haben die größten Bösewichte der Stadt (und wer die Comics und Filme kennt, weiß, dass es von Schurken in Gotham genug gibt) unfreiwllig ein Zimmer gemietet, nachdem  Batman sie überwältigt und eingeliefert hat. Batman spürt zwar, dass eine Gefahr droht; zu einfach und problemlos verlief die Gefangennahme. Dennoch übergibt er den Joker an die Wachleute – was sich als Fehler herausstellt. Kaum hat der Joker ein paar Meter zwischen sich und den Superhelden gebracht, überwältigt er die Wachen und hetzt einige Sträflinge auf den hinter ihm hereilenden Batman, während er weiter ins Gefängnis eindringt.

Batman – der Schläger

Batman weiß sich bekannterweise zu wehren. Mit einer Taste führt Ihr Schläge, Tritte, Kopfnüsse und alle anderen Arten von Angriffen aus, mit einer weiteren kontert Ihr Offerten eurer Gegner. Das Kampfsystem geht locker von der Hand. Durch die simple Bedienung könnt Ihr euch zurücklehnen  und die sauber animierten Bewegungen der Titelfigur und seiner Feinde bestaunen. Selbst zahlreiches Feindaufkommen stellt Euch nicht vor allzu große Probleme, denn im Nahkampf macht der menschlichen Fledermaus niemand so leicht was vor.

b_a_a_01Batman lässt seine Feinde gerne mal zappeln …

Batman – der Detektiv

Wenn Eure Widersacher bewaffnet sind, empfiehlt es sich aber im Detektivmodus durch die Areale zu wandeln. Dann nehmt Ihr das Spielgeschehen in einer Art Röntgenmodus wahr, sodass Batman durch Wände und Körper hindurchsehen kann. Außerdem fallen ihm einige wertvolle Details auf, zum Beispiel die Anzahl der erblickten Gegner, deren Bewaffnung, Zustand. Des Weiteren schwingt sich Batman auf Vorsprünge und zierende Gargoyles an den Wänden. Von dort aus gleitet er auf Feinde herab oder zieht sie nach oben, um sie bewusstlos geschlagen an der Statue festzubinden. Der Weg über die Gargoylerücken bietet zusätzlich die Möglichkeit, sich um Feinde herumzuschleichen oder schnell zu entkommen, wenn Batman entdeckt wird. Im Detektivmodus erinnert das Spiel der Splinter Cell-Reihe, da der Held in dem Modus Feinde wie Sam Fisher lautlos ausschaltet.

Batman – der Fehlerhafte

Da Batman zwar über hochentwickelte Technik verfügt, nicht aber über Superkräfte, ist es durchaus ratsam den Detektiv Modus einzusetzen. Denn im gegnerischen Kugelhagel geht auch Batman schnell zu Boden. Manchmal ist es ratsam, die Gegner zu umgehen, was allerdings schon in der Demo in einer Szene nicht des Rätsels Lösung ist. Denn erst wenn alle Komplizen des Jokers im Vorraum erledigt sind, öffnet sich die nächste Tür. Apropos Erledigen, wie in der Comicvorlage tötet Batman seine Feinde nicht, sondern schlägt sie allenfalls ohnmächtig, obwohl dies beim Einsatz des Bamerang (ein klingenbestückter Bumerang) schwer vorstellbar ist. Der Detektivmodus eröffnet auch die Möglichkeit für kleinere Rätsel, obwohl gerade in diesem Modus Batman wirklich übermächtig erscheint. Allerdings bietet der Röntgenblick gerade in verschachtelten Räumen nicht die optimale Übersicht, da zwar die Feinde erkannt werden, aber nicht unbedingt ersichtlich ist, was noch alles zwischen den Kontrahenten liegt.

b_a_a_02 … aber er kann auch zu rabiateren Methoden greifen

Die Demo zu Arkham Asylum zeigt schon mal Eines: Das Spiel wird richtig gut. Die Kämpfe sind genial animiert, die Unreal-3-Engine stellt sehr detaillierte Charaktermodelle und Areale dar, die Zwischensequenzen bewegen sich auf einem Top Niveau und Mark Hamill (Luke Skywalker in Star Wars Episode 4-6) spricht den Joker genauso unheimlich und verrückt wie Heath Ledger ihn spielte. Die Demo verheißt aber auch, dass das Spiel kein Riesen-Hit wird. Denn so toll die Kämpfe aussehen und so leicht sie auch von der Spielerhand gehen, stellt sich die Frage, ob die Schlägereien im weiteren Spielverlauf fordernd sind und nicht nur durch riesige Gegnerscharen zur wüsten Klickorgie verfallen. Auch der Detektiv Modus entpuppt sich als zweischeidiges Schwert. Er spielt sich komplett anders als der normale Modus, allerdings ist Batman noch übermächtiger als in den Nahkämpfen. Logische aber fordernde Rätsel würden dort noch mehr Abwechslung bringen. Geschmackssache ist die Stimme von Batman selbst, die im Vergleich zu der des Jokers arg blass bleibt, in The Dark Knight war das allerdings auch nicht anders. Fans des Films werden sich darüber hinaus über den düsteren Stil des Spiels freuen, der Nolan’s Werken sogar noch eins draufsetzt.

Die Demo könnt Ihr unter anderem bei Valves Online-Plattorm Steam runterladen oder hier von der offiziellen Website.

Der offizielle Trailer zu Arkham Asylum (HD)

26
Jun
09

Muff Potter – Gute Aussicht

„Gute Aussicht“ dürfte ein eher selten ausgesprochener Kommentar in Zeiten der ach-so-allgegenwärtigen Wirtschaftskrise. Und doch vielleicht gerade der Richtige? Sanfter Optimismus anstatt defensivem Pessimismus? Schaden kann es nicht.

Ob die Entscheidung, das neue Album live aufzunehmen, etwas mit der Umgehung hoher Kosten im Angesicht dieser schweren Zeiten oder mit dem Wechsel von Major- zu Indie-Label und damit verbundenen Wiederfindung der Wurzeln zu tun hat, sei dahin gestellt. Dass es eine gute Entscheidung war, ist sicher. Wer Muff Potter erst mit den Alben „Von Wegen“ und „Steady Fremdkörper“ kennengelernt hat, muss sich an den vermeintlich neuen Ton gewöhnen. Veteranen kennen diesen bereits von den ersten drei Platten. Ist Gewöhnung eingekehrt, fällt es schwer die Major-verlegten Alben blind zu genießen. Zu durchdacht, zu steril klingt plötzlich alles. Die – ich nenne es mal – ungebändigte Energie, die in „Gute Aussicht“ mitschwingt, lässt selbst Gebilde wie „Steady Fremdkörper“ oder Oden der Wut und des Zorns („Fotoautomat“, „Antifamilia“) langweilig erscheinen.

Dabei bliebt auch Gute Aussicht in seinem Repertoire besonders vielseitig. Es gibt die wilden Punkstücke, etwa „ich und so“, eine Hymne auf die prägenden Begleiter einer Jugend, oder „ich bin charmant“, deren wütender Ton mit dem erfolglosen Versuch ineinander greift, die eigene Existenz mit kargen Adjektiven und Begriffen möglichst greifbar zu machen. Fast unbemerkt öffnet sich die Band ein wenig dem Pop, wenn es mit „Wir werden uns kümmern“, „Die Party ist vorbei“, „Blitzkredit Bop“ und dem letzten Titel, der dem Album seinen Namen gibt, melodiöser wird. Abgerundet wird das alles durch das ruhigere „Niemand will den Hund begraben“, das nicht umsonst von vielen Seiten gelobt wird, und den eher experimentellen „Mein Freund das Wrack“ und „Eiskunstlauf ohne Ton“. Das erste mit Einsatz eines Akkordeons, das dem Inhalt die nötige Glaubwürdigkeit verleiht, das Lied von den anderen noch mal deutlich abhebt; letzteres mit krude verzogenen Gitarren, die man wohl nur hassen oder lieben kann – vielleicht gerade deswegen mein Liebling.

Eines hat sich auch mit dem Wechsel von Universal zu dem hauseigenen Huck‘s Plattenkiste nicht geändert, nämlich die Texte, die sich wiederum durch Wortspielereien, Anspielungen und große Metaphern auszeichnen. Meistens; denn gelegentlich wirken die Zeilen etwas abgegriffen oder zu instrumentalisiert und werden zu übertrieben eingesetzt, etwa in „Mein Freund das Wrack“,

Da ist keine Methode in seinem Wahnsinn,
Nur reichlich Wahnsinn in seinen Methoden.

an anderen Stellen (z.B. „Niemand will den Hund begraben“) jedoch nicht nur einen Funken von Genialität durchscheinen lässt:

Wireless LAN lohnt sich nicht
Bei Technik Funke brennt noch ein Licht
Die Natur holt sich die Gärten zurück
Die Straßen und die Dörfer
An der Bushalte sitzen Rocko und Riko und spielen Stadt, Land, Flucht
Ihre Zukunft hängt hier tot überm Zaun
Bald werden auch sie abhauen

Wie gut das Album wirklich ist, lässt sich jedoch daran erkennen, dass es sogar das uninspirierteste Lied – und unglücklicherweise als erste Single auserkorene – „Blitzkredit Bop“ aufzufangen vermag und so in den Fluss einbezieht, dass es nicht negativ auffällt.

23
Feb
09

Angespielt: Ceville

Ceville

Ceville

Zuallererst eine kurze Erklärung: Angespielt ist nun eine neue Kategorie unter kein E-Sport. Hierbei behandeln wir lediglich eine Demoversion eines Spiels und können und wollen kein finales Urteil zum gesamten Spielerlebnis machen.

Ceville ist König des Reiches Faeryanis, das er nach Herzenslust regiert. Wie jeder Monarch bekommt er es mit kniffligen Streitfällen zu tun, so hat zum Beispiel der Wolf die drei Schweinchen angeklagt, weil beim Umpusten deren Hauses, ein Dachziegel auf seinen Kopf gefallen ist, die Schweinchen wiederum beschuldigen den Wolf auf Sachbeschädigung. Ein ausgeglichener Herrscher entscheidet zu Gunsten beider Parteien – alle Angeklagten müssen in die Minen zur Zwangsarbeit – zumindest wenn Ihr das so wollt.
Kein Wunder also, dass das Volk den egozentrischen Herrscher etwas kritisch gegenübersteht. Nicht nur wegen seiner zweifelhaften Urteilen, sondern auch weil er vom Staatsschatz  eine beträchtliche Summe auf sein Privatvermögen abgezwackt hat. Es kommt wie es kommen musste, das Volk rebelliert und aufgrund geringer Löhne, stellen sich auch die Wachen gegen Ceville, dem Ihr nun bei der Flucht helfen sollt.

In der Demo übernehmt Ihr größtenteils den Part des gefallenen Königs. Zuerst einmal müsst Ihr ihm aus seinem Thronsaal herauslotsen. Allerdings stehen ihm dabei seine verräterischen Wachen im Weg, die Ihr erst einmal verscheuchen sollt. Danach müsst Ihr Ceville eine Verkleidung in der Küche besorgen, damit er im Flur vor dem Speisesaal unbemerkt an den Wachen vorbeikommt. Im letzten Abschnitt, müsst Ihr den Geheimgang in Cevilles Folterkammer finden, ehe Ihr mit Ambrosius, einem angeberischen Paladin, in einer kurzen Sequenz in das königliche Schloss einbrecht.

Die Demo zeigt schon mal einige Stärken eines richtig gelungenen Adventures auf. Die Rätsel sind am Anfang sehr leicht zu durchschauen und vollkommen logisch, halten Seitenhieben auf Spiele wie Indiana Jones and the Last Crusade parat und die Dialoge unterhalten mit einem teils auch sehr gezwungenen Wortwitz. Dennoch habe ich viel gelacht und mich an andere Abenteuerspiele erinnert. Dazu kommen noch sehr schön gezeichnete Hintergründe, eine einfache und bequeme Bedienung, sowie sehr guten Synchronsprechern und tollen Animationen der beiden spielbaren Charaktere. Wenn das Spiel auf diesem Niveau über 15-20 Stunden zu unterhalten weiß, lohnt sich der Kauf auf jeden Fall.

Die Demo jedenfalls ist kostenlos, macht Spaß und könnt Ihr hier direkt runterladen. Download von Adventurespiele.net

Die Vollversion zu Ceville ist seit dem 19. Februar erhältlich

06
Dez
08

Max Payne

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Ich mag die Melancholie der großen Stadt. Wenn übernatürlich große Schneeflocken scheinbar durch die Häuserschluchten schweben und nicht mal durch die riesigen, warmen Kondensausstoßungen zum Schmelzen gebracht werden können, die aus den Abzugsgittern in den Hintergassen bizarre Wolkenformen bilden. Und genau so mag ich es, wenn ein Vorhang schwerer Wassertropfen die Menschen von den Straßen scheucht und ein in jeder Form gereinigtes Monument der Menschheit zum Vorschein bringt. Der gebrochene Held ist für mich die einzige wahre Form des Protagonisten in Filmen und außerdem finde ich Videospiele ziemlich cool.

Deshalb lag es nahe, dass ich mir Max Payne anschaue, denn das ist ja immerhin eine Filmadaption eines Games, das eine Film Noir Story erzählt. Nämlich von einem Bullen, der den Mord an seiner Familie rächen will. Also ein depressiver, melancholischer Typ mit einer Knarre in einer großen Stadt und dem Wunsch mit dieser Knarre andere Typen zu erschießen. Klingt nach einem kurzweiligen Actionfilm. Und das ist Max Payne letztendlich auch; nicht mehr und nicht weniger.

Blöderweise habe ich die Vorlage nie gespielt, habe mich im Trailer dennoch über dieses geflügelte Wesen gewundert, das einen Typen aus dem Fenster zerrt. Was dieses Vieh in einem – wie ich gelesen habe – realistischen Szenario zu suchen hat, fragte ich mich und zweifelte auch schon an meinem Entschluss, mir den Film überhaupt anzusehen. Allerdings waren die Befürchtungen unnötig, die geflügelten, an Harpyien erinnernden Dinger, symbolisieren nur die Auswirkungen durch eine Droge namens Valkyre, die vom Militär entwickelt wurde, um Soldaten aufzuputschen und nahezu unsterblich zu machen. Natürlich hat das nicht funktioniert: Nur ein sehr geringer Prozentteil konnte von den gewollten Effekten profitieren. Für sie war die Imagination der Walküren ein Schutz und Ansporn. Der Rest leidet unter enormen Wahnvorstellungen und gehen an ihnen zugrunde. Natürlich ist klar, dass Max‘ Frau, die für das Pharmazieunternehmen arbeitete, hinter diese Auswirkungen gekommen ist und deshalb ermordet wurde. Von wem? Das können sich Action-Fans schon nach kurzer Zeit trotz falscher Fährte denken. Generell enttäuscht die Story durch mangelnde Innovation und die typischen Action-Klischees. Man hat wirklich alles schon mal irgendwie gesehen. Außerdem fallen große Auseinandersetzungen mit den wirklich Bösen aus, bei dem restlichen 08/15-Inhalt ebenfalls sehr enttäuschend. Aber nachvollziehbar ist diese Entscheidung dennoch, da der Film so sogar ein kleines bisschen „Aussage“ erhält. Die Bösen sind nur aus dem Hinterhalt stark, wenn sie unerkannt sind. Sobald sie entlarvt werden, werden sie von den eigenen Verbündeten fallen gelassen und sind den Guten schutzlos ausgeliefert.

Das – meiner Meinung nach – Schlimmste am Film ist das Ende, denn es ist klar, dass Max schlussendlich seine Familie rächen wird. Die Frage ist, wie die Situation dargestellt wird. Wird die Rache Max befriedigen? Offensichtliche Antwort für den Zuschauer: Nein! Weil Max‘ Familie durch den Tod des Mörders nicht wieder lebendig wird, also wird es ihn auch nicht glücklich machen. Aber der Film enthält sich eines solchen Einblicks. Max kniet am Ziel angekommen auf dem Dach eines Hochhauses, der Böse ist tot, der Gute wird von der Polizei umzingelt, Kamera zoomt vom Geschehen weg, Ende. Sehr, sehr unbefriedigend.

Aber man sollte nun mal beachten, dass es ein gewöhnlicher Actionfilm ist, der muss ja nicht so aussagekräftig sein wie ein A History of Violence. Und besonders visuell macht der Film einiges wirklich gut. Immerhin hat er mich auch daran erinnert, wie sehr ich die Melancholie der Großstadt mag. Lichtstimmung, Wettereffekte, Zeitlupensequenzen (immerhin ist die Vorlage gerade für seine Zeitlupenfunktion berühmt geworden) können allesamt überzeugen. Eindrucksvollste Szene: Max hat sich gerade zwei Dosen Valkyre reingepfiffen und aus dem emotionsarmen Rächer wird ein von Wut getriebenes Monster. Der Schnee verwandelt sich im lauten Schrei Max‘ in einen Funkenregen, im Hintergrund steigen Flammen auf, die Stadt brennt. Wirklich schön anzusehen.

Abschließend sei gesagt, dass ich mit sehr geringen Erwartungen den Film gesehen habe, denn Videospiel-Verfilmungen haben ja nicht den besten Ruf. Hinzu kommt, dass ich nicht viel von Mark Wahlberg halte, der in die Rolle von Max schlüpft, seine Gefühle aber sehr gut rüberbringt. Aber das ist ja auch nicht sonderlich schwer, emotionslos in die Gegend zu schauen und böse Leute zu erschießen. Aber eben wegen meiner Einstellung hat mich der Film nicht wirklich enttäuscht und als Actionfilm (besonders wegen seinem Look) auch gut unterhalten.

03
Dez
08

Gespielt: Mirror’s Edge

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Sie waren schon immer sehr beweglich und schwindelfrei? Haben außerdem Spaß daran, viel draußen zu sein und sind zuverlässig? Dann haben wir genau das richtige Angebot für Sie. Werden Sie RunnerIn!

Arbeitssituation:

Wie Sie wahrscheinlich wissen, kontrolliert unser Staat alles. Natürlich haben sich einige Menschen der Bevölkerung nicht ganz damit abgefunden, ihre Privatsphäre aufzugeben. Um wenigstens einen kleinen Teil des früher so hoch geachteten Privatlebens zu sichern, benötigen wir Runner. Das wären Sie. Nach einem ausführlichen Training auf den Dächern unseres eigens angefertigten Trainingsparkurs sind Sie gerüstet, Pakete und Briefe von A nach B zu bringen. Allerdings ist dieser Job mit einem klitzekleinen Haken versehen: Vater Staat mag uns Runner gar nicht gerne sehen. Wenn Sie sich aber über die Wolkenkratzer unserer herrlichen Stadt bewegen, dürfen Sie kein Problem mit den Gesetzeshütern haben. Sagen Sie sich einfach immer wieder, dass Sie das richtige tun und dass die Gesetze doch eher Richtlinien als Ge- und Verbote sind. Sie sind auf jeden Fall bloß ein Bote.

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Pazifist? Kein Problem, wenn Sie keine Angst vorm Tod haben…

· Eintönig – Moment…!

Nun, Sie sollten unser Trainingsprogramm nicht wegen mangelnder Abwechslung anprangern. Als Runner tun Sie zwar auch immer dasselbe, aber dann sieht die Welt wenigstens anders aus. Der Tarnbaum, der Renner unter den Pflanzen zur Zeit, ist eine ganz neue Erfindung. Die Wissenschaftler haben es tatsächlich geschafft, die gesamte Farbe einem normalen Gewächs zu entziehen, sodass grüne Flora nicht mehr von unseren steril gehaltenen weißen Innenwänden ablenken. Abgesehen von dem vielen weiß, ist unsere Stadt aber doch ziemlich schön, finden Sie nicht? Rote Regenrohre, blaue Treppengeländer, ab und zu sogar Grünflächen, ach es ist doch herrlich.

Vorraussetzungen:

Nun, Sie sollten schon ein wenig Zeit für ihr Training aufwenden. 10 Stunden sollten dafür schon genügen. Wahlweise verteilen sie das auf verschiedene Nachmittage, um sich wieder zu beruhigen. In unserem Trainingsprogramm versetzen wir Sie in den Körper einer unseren „virtuellen Damen“. Keine Angst meine Herren, wir urteilen nicht nach Geschlecht, zu Trainingszwecken erlaubte uns aber die nette junge Dame Faith, ihren Körper als Dummie zu verwenden. Die in dieser Simulation dargestellte Situation sollten Sie nicht zu ernst nehmen. Normalerweise verbringt ein Runner einen relativ geruhsamen Arbeitstag, abgesehen von dem ständigen Drill, Sie könnten vom nächsten Fenstersims in die Tiefe stürzen. Denken Sie nicht an diese ungemütliche Vorstellung. Denn nach unserem Trainingsprogramm und ihren für die Sportart Parcours getrimmten Körper kann Ihnen eigentlich nichts mehr passieren.

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Ist Ihnen jetzt schon schwindelig. Dann raten wir Ihnen für unser Training, Tüten mitzubringen…

Berufsrisiko:

Nun, eine komplette Sicherheitsgarantie können wir Ihnen leider nicht anbieten. Doch wenn Sie die Spannung nicht ertragen können oder wollen, müssen Sie unser Angebot ja nicht annehmen. Abgesehen von der sehr großen, ähem… irrelevanten Absturzgefahr könnten Ihnen nur noch die Waffenstärke der hiesigen Polizei und Geheimdienste zum Verhängnis werden. Aber wie Sie unserer Präsentation im Training entnehmen können, dürfen Sie auf keinen allzu großen Widerstand hoffen. Zwei, drei Kugeln wird Ihr Körper ja wohl aushalten. Übrigens sind die Gesetzeshüter nicht sehr sparsam mit ihrer Munition und schießen schon mal früher als Ihnen lieb ist. Sollte Ihnen doch etwas passieren, können wir Ihnen leider nicht garantieren, dass wir Sie bestatten können, da uns nach einem so tiefen Fall die Überreste gerne zu Brechreizen zwingen. Allerdings wird sich die Polizei gerne um Ihren Leichnam kümmern, hoffen wir zumindest.

Fazit

Nun gut, unsere Stadt ist nicht der bunteste Platz der Erde, wie oben schon erwähnt. Aber was wollen Sie denn noch? Wie bitte, mehr Abwechslung bei Ihren Aufgaben und Ihrer Vorgehensweise? Haha, Sie belieben zu scherzen. Wir schätzen guten Humor. Wenn Sie wirklich Runner werden wollen, bilden Sie sich ja nicht ein, dass täglich ein Freund von Ihnen in einen Mord verwickelt wird. So spannend kann nun wirklich nicht jeder Arbeitstag sein. Was? Jetzt nörgeln Sie auch noch rum, die im Schweiße unseres Angesichts erdachte Geschichte als belanglos zu deklarieren? Jetzt reicht es aber. Wenn Sie den Job nicht wollen, suchen wir uns eben einen anderen. Denn Sie sind wie Faith vollkommen austauschbar. Wahrscheinlich ist das auch noch ein Problem für Sie. Eine zu starke Identifikation mit einem Ihrer Kollegen kommt bei uns überhaupt nicht in Frage. Am Ende glauben Sie noch, Sie könnten im echten Leben ebenfalls von einem Hochhausdach aus an ein Rohr am gegenüberliegenden Wolkenkratzer springen, obwohl Sie dafür die Sprungkraft eines Kängurus bräuchten. Seien wir doch malrealistisch, das, was unser Training Ihnen bietet, werden Sie nirgends anders so finden. Weder in anderen Computern, noch im realen Leben. Deshalb sollten Sie unbedingt einmal vorbeikommen und das Training absolvieren. Aber bitte nicht im echten Leben nachmachen.
Und weil es (bisher) so einzigartig ist: 7 von 10 Punkte

17
Nov
08

F.U.R.T. – Die Wahrheit übers Lügen

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Nachdem Herr Urlaub sich zwei Mal die Arbeit gemacht hat, ein Album alleine aufzunehmen, macht er sich das ganze diesmal was einfacher. Fürs neue Album Die Wahrheit Übers Lügen bestellte Farin sein Racing Team, mit dem er bisher nur auf Tour und dem Live-Album of Death zu hören war, ins Studio.

Kein Wunder also, dass sich die neue Platte, die übrigens auch unter dem Interpreten Farin Urlaub Racing Team (kurz FURT) erscheint, andere Töne als die vorherigen anschlägt.

B.g.z.S.

So, das Obenstehende ist vielleicht etwas schwer zu verstehen. Deshalb hier in einer weiteren Ausführung: „Blasinstrumente gehören zu Ska“. Farin hört und macht gerne Ska. Das ist einfach Farins Gitarrenpfuscherei mit wohlklingenden Posaunen, Trompeten uns so weiter. Wirklich viele Skastücke gibt es aber auf nicht auf der 1,5 LP, weder auf dem „kleinen Album“, noch auf der „Bullenherde“. I.F.D.G. ist dabei eine Ausnahme, das steht übrigens für „Ich find das gut“: jo, ich auch!

W.m.d.d.f.M.?

„Was macht der denn für Musik?“, bedeutet das. Ja, wie oben erwähnt, Farins Musik klingt tatsächlich anders. Diesmal sind nun mal auch Profis dabei (war nur ein Scherz, Farin ist natürlich auch ein Vollprofi…) Mit 12 Musikern kann man seine Musik eben facettenreicher gestalten, was sich zwar ungewohnt, dafür aber auch erfrischend neu anhört. Wer Lust auf Rock hat, der legt einfach die „große CD“ in den CD-Spieler und lauscht den 11 „normalen“ Farin Urlaub Songs. Auf dem „kleinen Album“ verstecken sich Ska, Reggae und Mainstream-Pop Lieder, wem’s gefällt…

S.s.d.S.

„So sind die Songs“, Ihr wisst schon, was ich meine…Ein Paar sollten hier doch genannt werden. Die erste Singleauskoppelung „Nichimgriff“ ist ein gewöhnliches Punk-Rock-Lied, das wie alle Songs von einem tollen Text profitieren kann und deshalb doch nicht ganz „gewöhnlich“ ist. „Unscharf“ und „Niemals“ sind Farin Urlaub-typische Liebeslieder mit Rockriffs, die jeden Fan von Farin zufrieden stellen sollten. Um das Lied „Gobi Todic“ ist tatsächlich ein riesiger Hype entstanden. Eine Internetseite gibt nur wenigen Aufschluss über die Person, dessen Rückkehr Farin besingt. „Seltsam“ und „Krieg“ bestechen vor allem durch Farins ironische Art mit eingängigen Melodien. „Die Leiche“ erinnert doch sehr an „Nur einen Kuss“ vom letzten die ärzte-Album „Jazz ist anders“. Zynischer Text begleitet von einer immergleich klingenden Akustikgitarre, wodurch die Aufmerksamkeit mehr auf den Text gelenkt wird, deshalb nicht als Kritik zu verstehen ist. „Atem“ ist meine persönliche Perle des 1,5-Albums. Tolle Melodien gepaart mit einem wunderschönen Text, den ich mir immer länger wünsche, als er ist.

I.F.D.G. (Fazit)

Ja, ich find das auch gut Farin und du hast auch mit deinem Sologesang am Ende vollkommen Recht, wenn du sagst „Ich bin voll gut – ich bin super. Super gut.“ Das ist das Album im Großen und Ganzen auch. Zwar musste ich mich erst mal an die neuen Töne gewöhnen, denn an „Endlich Urlaub“ und „Am Ende der Sonne“ erinnert „Die Wahrheit übers Lügen“ nun wirklich nicht. Dass das Album nun auch im Studio mit dem Racing Team aufgenommen wurde, war eine gute Veränderung, denn so klingen einige Töne mehr mit, auch wenn die Trompeten und Posaunen in den meisten Fällen immer noch zu kurz kommen.

Am Ende steht ein variantenreiches 1,5-Album im Musikladen ihres Vertrauens, dem man eine kurze Eingewöhnungszeit gönnen sollte, um in den vollen Genuss des neuen Farin U. Sounds zu kommen.

15
Okt
08

Gelesen: Artemis Fowl: Die verlorene Kolonie

Sie dachten, Ihr Kind sei ein Genie? Vergessen Sie es.

Zwar ist Artemis Fowl nur eine Romanfigur, erdacht vom irischen Schriftsteller Eoin Colfer. Doch der im nunmehr fünften Roman als Hauptperson agierende 14-jährige Junge stellt jeden Nobelpreisträger in den Schatten. Klingt unglaubwürdig? Nun, das ist wohl so. Aber immerhin gibt es in den Artemis Fowl-Büchern auch noch Unterirdische und neuerdings Dämonen.

Kurz zur Handlung. Artemis Fowl hat seinen Leibwächter Butler nach Barcelona mitgeschleift, wo er auf eine bestimmte Person, präziser ein spezielles Wesen wartet. Nicht mal sein Begleiter weiß, was das irische Genie in die spanische Stadt getrieben hat, weil den blasse Artemis Sonnenlicht nicht gerade anzieht. Als Artemis die Hoffnung auf den Besucher bereits aufgegeben hat, stolpert er in eben den rein. Es ist ein durch die Zeit und Dimensionen springender Dämon, der Artemis packt und mit sich zieht. Sein Beschützer kann ihn gerade noch packen und aus dem Zeitstrudel retten. Die Elfin und ehemalige ZUP (Zentrale Untergrund Polizei)-Beamtin Holly hat ihren Job an den Nagel gehängt und arbeitet mit dem ehemaligen Einbrecher und Zwerg Mulch Diggums als Privatdetektiv. Weil aber auch im Untergrund die Dämonenerscheinung nicht unbemerkt bleibt, stolpert Holly in die Abteilung Acht, einer Spezialeinheit der ZUP. Doch als wären das noch nicht genug Interessierte, ist auch noch ein Mädchen in Artemis’ Alter auf der Jagd nach einem Dämonen. Sie merken schon, die ist ebenfalls so ein Kindergenie.

Wer die Romane um den hochbegabten Artemis Fowl und die taffe Elfin Holly bisher noch nicht gelesen hat, sollte spätestens jetzt damit anfangen, um noch den vielen, aber nicht minderwertigen Fortsetzungen nachzukommen. Bisher hatte Eoin Colfer noch genug wunderbare Ideen für den Protagonisten in petto und ich zweifle nicht an vielen weiteren. Wenn man sich beim Lesen immer wieder filmreife Szenen vors innere Auge führt, ist das ein Zeichen dafür, dass der Focus recht mit seiner Behauptung „Die Artemis Fowl-Romane sind gedrucktes Action-Kino.“ Oder ich bin einfach zum Beruf des Regisseurs geboren…

Ob Artemis Fowl: Die verlorene Kolonie der beste Teil bisher ist, kann ich mit voller Sicherheit nicht sagen, dafür liegen die anderen 4 bisher erschienen Romane einfach schon zu weit in der Vergangenheit. Doch eins ist mir schon klar: So schnell werde ich diesen Teil nicht vergessen! Selbst wenn das Buch nicht das bisher beste ist, so kann ich allen Interessierten sagen, dass der Roman auf jeden Fall pure Freude beim Lesen bereitet. Mit knapp 350 Seiten ist es auch nicht gerade ein Wälzer, wie man bei einem Fantasy-Roman erwarten könnte. Auch wenn die Bücher eher an Jugendliche gerichtet sind, so will ich das Buch auch den Erwachsenen Lesern dieses Blogs herzlichst ans Herz legen. Geben Sie dem irischen Teenager eine Chance – bereuen werden Sie es auf keinen Fall!

Artemis Fowl: Die verlorene Kolonie (Artemis Fowl: The Lost Colony); Eoin Colfer; Ullstein Verlag; 8,95 €

05
Okt
08

Kettcar – Sylt

Wer wagt es schon den Legendenstatus von Elvis zu kritisieren? Elvis, den King of Rock‘n‘Roll. Kettcar wagt es. „Elvis has left the building“ wird im Song „Graceland“ gesungen und damit hat die Band Recht. Kettcar regt zum Nachdenken an. Ist es nicht vielleicht besser alte verklärte, idealisierte und ebenso veraltete Vorbilder abzuwerfen und sich nach Zeitgemäßeren umzusehen?
Wie auch schon in  den vorangegangen Alben setzt Kettcar sehr auf intelligente Texte und prägnante Passagen, die geradezu darum betteln, bei jeder Gelegenheit zitiert zu werden. Als Beispiel sei „Lieber peinlich als authentisch. Authentisch war schon Hitler“ aus dem Song „Kein Außen mehr“ gegeben. Dieser Satz stammt allerdings nicht von der Band, sondern von dem Kulturwissenschaftler Diedrich Diedrichsen; nur so nebenbei.
Das große Problem an „Sylt“ ist, dass es schon fast zu eingängig ist und man sich außer einigen wenigen Liedern, wie das oben genannte „Graceland“, „Agnostik für Anfänger“ oder „Kein Außen mehr“, keines merken kann, weil es zum einen Ohr reingeht und zum anderen gleich wieder raus. Das kann man auf die Stimmlage des Sängers schieben, der immer in derselben Tonlage singt und den Texten so mit der Zeit immer weniger Aufmerksamkeit geschenkt wird. Oder man macht die Musik dafür verantwortlich, die zwar ungewöhnlich ist, aber untergeht, weil sie zu abstrakt ist, kaum Melodien dabei sind, die sich richtig in der Erinnerung festkrallen könnten.
Deshalb eignet sich „Sylt“ eher für Leute, die gerne darüber nachdenken, was ihnen vorgesungen wird und natürlich für Kettcar-Fans, denn die kriegen sowieso das, was sie von den fünf Jungs erwarten. Dennoch eines der schwächeren Kettcar-Alben.

03
Okt
08

Gelesen: Nachricht von Dad

Spoilerwarnung: Wenn euch das Buch hier wirklich interessiert und ihr es noch lesen wollt, dann wartet doch noch ein bisschen mit diesem Text, denn ich konnte es mir einfach nicht verkneifen, das Ende vorwegzunehmen.

Ich muss ehrlich sein, ich habe nie Shakespeares „Hamlet“ gelesen. Vielleicht hätte ich mehr Spaß an Nachricht von Dad gehabt, hätte ich es gelesen. Immerhin reicht mein Wissen über das alte Drama aus, um einige Parallelen zu entdecken.

Hauptfigur ist der elfjährige Philip Noble, dessen Vater vor kurzem bei einem Autounfall umkam. Allerdings erzählt er seinem Sohn – in Form eines Geistes – eine andere Geschichte: Sein Bruder Alan, also Philips Onkel, habe die Bremsen sabotiert, um Philips Mutter heiraten zu können. Der Vater ist nun als Geist in den Schrecken gefangen, da er ermordet wurde. Erlösung kann er nur finden, wenn er bis zu seinem Geburtstag gerächt wird. Und da nur Philip seinen Geist sehen kann, bedeutet das: Der Sohn muss den Onkel töten. Ansonsten wird er für immer und ewig in den Schrecken gefangen bleiben, was wohl sehr schmerzhaft ist.
So stellt Philip viele dumme Sachen an, er klaut auf einem Schulausflug einen Bus und fährt ihn zu Schrott, bringt anstatt seinen Onkel den Vater seiner Freundin Leah (die Figur der Ophelia) um und er redet mit dem Geist seines Vaters, den außer ihm niemand sehen kann. Im Klartext: Philip wird für verrückt gehalten.

Enden tut Nachricht von Dad nicht wie das Vorbild mit dem Tod so ziemlich aller, sondern mit der Einsicht, dass sich Philip alles nur eingebildet hat. Der Verdacht, dass Freunde seines Onkels den Pub seines Vaters verwüstet haben, offenbaren sich als falsch ebenso wie die Anschuldigung, dass er Philips Fische getötet habe und der Junge merkt spätestens, als Alan ihm das Leben rettet und dabei sein eigenes riskiert, dass sein Onkel nicht böse ist und auch weder ihn noch seine Mutter umbringen will, wie es die Illusion seines Vaters prophezeit hatte. So zeichnet der Roman das Bild eines Jungen, der mit dem Tod des Vaters nicht klar kommt, sich aber am Ende doch damit abfindet. Dies zeigt sich im Hass, dass seine Mutter schon wenige Monate nach dem Tod ihres Mannes den Bruder ebenjenes heiraten will und dem Verlangen, diese Person, die das Andenken an eine geliebte Person zu schänden droht, aus dem Weg zu räumen.

Matt Haig, der Autor des Romans, erzählte in seinem Debüt, Für immer, eurer Prince, das Leben von Henry IV aus der Sicht des Labradors Prince, der zwischen zwei Welten und einer Entscheidung hin und her gerissen ist. Hier ist es die Figur des Philip Noble, aus deren Perspektive wir die Handlung verfolgen und der einerseits seinen Vater rächen und somit erlösen will (bzw. von dem Tod seines Vaters schwer getroffen ist und Schwierigkeiten hat ihn zu verarbeiten), aber andererseits ein normales Leben eines Kindes führen will, was sich besonders in der Beziehung zu Leah zeigt.
Das größte Problem an Nachricht von Dad ist die gewählte Erzählform, nämlich der infantile Ich-Erzähler. In manchen Momenten wird der Leser mit purer Naivität bombadiert, in anderen Abschnitten muss uns Haig mit sturen Wiederholungen unbedingt vor’s Auge führen, dass wir hier ein Kind vor uns haben, um uns in anderen Szenen einen eiskalt, analysierenden Noble zu präsentieren, der den Geschlechtsakt zwischen seiner Mutter und dem Onkel belauscht. Diese unausgewogene Weise des Erzählens stört über den gesamten Roman hinweg und trübt den ansonsten guten Plot, der beeindrucken kann. Und das auch ganz ohne die Abhängigkeit von der Vorlage „Hamlet“, die Haig mit dem Ende gekonnt zu seinem Zwecke ausnutzt und sein Werk nicht zu einem Plagiat verkommen lässt.

Nachricht von Dad (Dead Fathers Club); Matt Haig; Goldmann Verlag, 8,95 €

28
Sep
08

Gespielt: Star Wars The Force Unleashed

Achtung: Enthält möglichen Spoiler

Diese Musik! Erinnerungen werden wach. Zuletzt in diesem Sommer ertönten die wohlklingenden Töne von John Williams Kompositionen im Kinosaal. Da lief die Vorgeschichte zu den Klonkriegen. The Force Unleashed erzählt aber die Geschichte zwischen Episode 3 und 4, stellt also die Verbindung zu der alten Trilogie her. Wir spielen Darth Vaders geheimen Schüler, um die letzten verbliebenden Jedi zu vernichten.

Roaarr, roro?

Ja, eine seltsame Sprache sprechen die Wookies auf Kashyyk. Aber am Anfang des Spiels sind wir nicht mit Darth Vader persönlich auf dem Schlachtfeld erschienen, um eine neue Sprache zu erlernen. Den dunklen Sithlord scheinen die Geräusche wohl sehr zu nerven, denn auf dem Weg zu einem Jedikämpfer räumen wir alle Wookies aus dem Weg, die uns begegnen. Egal ob mit Lichtschwert, einem Machtstoß, oder des kultigen Würgegriffs, Hauptache, es wird still! Obwohl auf so einem Schlachtfeld nie wirklich Ruhe herrscht. Blastergeschosse, rauschende Gleiter, herumfliegende Tie-Fighter, Williams’ Musik und dieses nervige aber wohl bekannte Röcheln. Nur eines klingt ein wenig fehl am Platz. Die Stimme von Vader klingt doch irgendwie anders – aber dennoch nicht schlecht.

Ein Kind, sie zu knechten…

Nunja, soweit treibt es das Spiel nun doch nicht. Allerdings lässt es sich nicht totschweigen, dass Vader sein Lichtschwert an ein kleines Kind verliert. „Die Macht stark in ihm ist“, würde Yoda es ausdrücken. Wir sagen einfach: cool! Vader beschützt im Folgenden den Jungen vor den Lasern der schießwütigen imperialen Streitkräften und bildet das Kind zu einem Sith Lord aus. Dann kommen wir ins Spiel, in Gestalt von Starkiller, Vaders Zögling. Der soll nun zum ersten Mal sein Können beweisen. Vaders Spione haben einen Jedi entdeckt, den es zu vernichten gilt. General Kota, so heißt der entdeckte Feind, hat mit seiner kleinen Rebellenarmee ein imperiales Ruamschiff angegriffen und ist auf einen offenen Kampf gegen Vaders geheimen Schüler aus. Um auch vor dem Imperator geheim zu bleiben, sollen wir auf unserer Mission nicht nur die Rebellensöldner umbringen, sondern auch die imperialen Streikräfte.

Immer hungrig: Auf Felucia treffen wir öfters mal solch einen Rancor

Den knöpf ich mir vor!

Im Großen und Ganzen bekämpft Starkiller seine Feinde wie Darth Vader im ersten Level. Allerdings können wir nur auf ein abgespecktes Repertoire von Angriffen zurückgreifen. Doch mit der Zeit häuft sich die Anzahl der Kombos und Mächte, mit denen wir unseren Gegnern mächtig einheizen. Während wir schwächere Widersacher mit wenigen Schlenkern des Laserschwerts ausschalten, oder durch die Luft fliegen lassen, braucht es bei den großen Brocken einiges mehr an Aufwand. Gegen AT-STs, die zweibeinigen Stahlungetüme aus der alten Trilogie, oder hungrigen Rancors (s. Bild oben) helfen Machtangriffe aber durchaus mehr. Ob das nun Blitze oder Machtstöße sind, wählen wir je nach Gegner. Haben wir diese Kloppse genug geschwächt folgt eine Quick-Time-Action Einlage (mal wieder drücken wir angegebene Knöpfe…). Doch nicht nur optisch große Gegnern müssen wir so besiegen, sondern auch die mächtigen Jedis. Toll, drücken wir einmal den falschen Knopf, dürfen wir oft gleich ein weiteres Mal die QTA ausführen.

3 Freunde

Natürlich reisen wir nicht alleine durch die Galaxis, was trotz Lichtgeschwindigkeit sicher sehr langweilig wäre und wo bliebe dann eigentlich die Geschichte? Ja, da sollten die 2 Kameraden doch mal vorgestelllt werden. Zum Einen wäre da der Roboter Proxy. Als Trainingspartner für Starkiller programmiert, ist sein oberstes Ziel, uns zu vernichten. Denn, das sagt uns der sonst so liebenswerte Droide, wie jeder Trainingspartner sei auch er darauf getrimmt, bis zum Tode gegen uns zu kämpfen. Das ist dann ja auch ein sehr viel authentischerer Kampf. Außerdem ist Proxys Aufgabe, uns Nachrichten von unsererm Meister, Darth Vader mitzuteilen. Denn immer wieder zu dem Sith-Lord zu eilen, nachdem ein Auftrag ausgeführt wurde, wäre zu auffällig und der imperator soll ja nichts von uns wissen. Nummer zwei im Trio ist unsere Pilotin Juno. Die attraktive Blondine ist wider aller Witze recht helle, außerdem scheinen bei den Gesprächen noch mehr als nur „Boss-zu-Arbeiter-Töne“ mitzuklingen. Irgendwann kommt Juno natürlich auch dahinter, was wir in der Galaxis überhaupt treiben, wie sie reagiert, erfahren wir noch früh genug.

Schizophrener Droide: Proxy ist zwar unser Freund, doch darauf programmiert, uns zu vernichten…

Wenn’s vorei ist’s eine „Neue Hoffnung“?

Es ist ja eigentlich klar, wie das Spiel letztendlich ausgehen wird. Oder haben sie in der alten Trilogie je etwas von einem geheimen Schüler Vaders gehört, oder den Namen Starkiller? Dachte ich auch nicht.  Immerhin dürfen wir uns im Finale noch zwischen Gut und Böse entscheiden. Trotz des bevorstehenden Todes unserer Hauptfigur fesselt uns das Spiel biz zum Schluss. Denn eines kann LucasArts immer noch sehr gut, Geschichten erzählen. Apropos Geschichten erzählen, das macht das Spiel in zahlreichen gut vertonten Zwischensequenzen, in denen auch die Charaktere an Tiefe gewinnen. Grund genug das Spiel zu spielen. Außerdem treffen wir auf ein paar alte bekannte aus der alten Trilogie, wie zum Beispiel Prinzessin Leia. Ja sogar Darth Maul duelliert sich mit uns! Das alles schafft enorme Atmosphäre. Die original Musik tut ihr übriges. Wer immernoch nicht genug Star Wars Flair empfindet, wird spätestens bei den Geräuschen der Blastergeschosse ins Schmachten geraten. Allerdings ist der Genuss nach knapp 12 Stunden schon beendet, dafür bleibt das Spiel aber auch ohne große Durchhänger spannend.

Star Wars The Force Unleashed ist ein viel zu langer Name für ein so kurzes Spiel. Aber recht hat der Titel schon, so wie in diesem Spiel durfte der Spieler noch nie die Macht einsetzen. Fast jeden Gegenstand in der Welt kann als Waffe in Form eines Wurfgeschosses eingesetzt werden. Stahltüren verformen sich nach Machtstößen und Laserschwertschlägen. Glas zerschellt in ausend Teile, sogar Starkiller bleibt bei all den Schlachten nicht sauber. Auch seine Kleidung muss einiges mitmachen. Gut, ganz ohne Fehler ist das Spiel bei all seiner Pracht und Geschichte auch wieder nicht. Vergleiche ich das Spiel doch mal mit Devil May Cry 4. Ähnlich sind die Spiele allemal. Mit verschiendenen Kombos verdreschen wir unsere Feinde, in DMC 4 helfen uns da verschiedene Waffen und ein Dämonenarm, in TFU die Macht. Die Storys stehen sich in nichts nach, die Dialoge und Sprecher ebenso nicht. Was hebt aber das Star Wars Spiel von Konamis Monstergekloppe ab? Es ist einfach die Lizenz. Star Wars ist eben kult und die Welt ist grenzenlos. Mit TFU machen sie auf keinen Fall etwas falsch, außer sie sind sehr ungeduldig, denn einige Kämpfe sind bockschwer. Aber da helfen solche Momente wie die Szene, in der wir einen Sternenzerstörer aus dem Himmel auf den Boden der Tatsachen ziehen, drüber hinweg.

„Prächtig mächtig!“




Tut eine gute Tat

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